„Das ist recht, mein Kind“, sagte der Propst. „Es ist des Herrn Wille, daß wir arbeiten sollen!“

Der Propst schenkte die Schnapsgläschen voll und die Mahlzeit nahm ihren Anfang.

Gottes Gaben waren reichlich vorhanden, vier volle Gerichte und ein reicher Butterbrottisch. Es gab zweierlei Wein, Rotwein und Sherry. Und zum Fleisch trank man Bier.

Man aß viel und redete wenig. Teller wurden gebracht und wieder abgenommen, Platten umhergereicht, Wein und Bier ward eingeschenkt. Still und vorsichtig bewegte sich das Mädchen mit dem glattgekämmten Haar und dem schlichten Kleid um den Tisch. Niemand lachte oder stieß mit seinem Nachbar an. Jeder trank sein Glas aus und aß seinen Teller ab, ohne dem andern auch nur einen Gedanken zu schenken. Ab und zu ward die Stimme des Propstes oder der Propstin laut, die die Gäste aufforderten, doch mehr zu essen.

Nach dem Essen verschwand der Propst auf ein Weilchen, und die Gäste blieben mit den Damen allein, bis der Kaffee serviert wurde.

„Samuel ist so an sein Mittagsschläfchen gewöhnt!“ sagte die Propstin entschuldigend. „Er sagt, es sei nötig zur Verdauung.“

Der Abend schleppte sich langsam und einförmig hin. Die Herren gingen mit dem Propst auf sein Zimmer, um eine Zigarre zu rauchen. Später mußte Amelie singen. „Amelie singt wirklich reizend“, sagte die Propstin. Sie sang Heines leidenschaftliche Lieder in der Schumannschen Musik, und sang sie vollständig ausdruckslos und rein, ohne zu wissen, was sie sang. Der Propst und die Propstin hörten andächtig zu. Der Propst hatte die Hände gefaltet.

„Im wunderschönen Monat Mai.“

„Ach ja, Musik ist eine herrliche Gabe Gottes!“