Nachdem man zu Abend gegessen hatte, versammelten sich alle Hausbewohner in dem großen Speisezimmer. Dort waren Stühle aufgestellt und Amelie ging von einem zum andern und teilte Choralbücher aus. Die Propstin brachte ihrem Mann, der im Schaukelstuhl saß, ein paar alte Bücher; und er hustete und las seinen Leuten aus der Bibel vor. Dann betete er, Gott möge das ganze Land schützen, insbesondere das Pastorat zu Sollösa. Die ruhigen Knechte und Mägde hielten die Hände vors Gesicht, während der Propst das Vaterunser und den Segen sprach.

Eine Stunde später schlief das ganze Haus. Stiller als vorher konnte es kaum sein. Nur der Hofhund und seine Hündin wachten mit einem Auge je an einer Seite der Treppe.

Dem Adjunkten Hallin und seinem Sohn war ein Gastzimmer im ersten Stock angewiesen worden. Zwei hochaufgebauschte Betten standen da mit weichen Polstern und Federkissen.

Und in Ernst erwachte eine Erinnerung. Er gedachte seiner Studentenjahre in Upsala, der guten Jahre bei Fräulein Lund. Als er einschlummerte, hatte er eine leise Empfindung von Lavendelduft.

Siebzehntes Kapitel

A

Als Ernst aufwachte, war es schon acht Uhr. Hastig sprang er aus dem Bett, um den Vater zu wecken. Die weichen Kissen und Decken hatte sie beide wie mit einem Nebel von Stille und Schlaflust umhüllt, daß sie zehn volle Stunden geschlafen hatten. Das Hausmädchen war so still durchs Zimmer gegangen, daß sie die Schläfer nicht geweckt hatte. Aber in den Flaschen war frisches Wasser, die Kleider lagen schmuck und ordentlich ausgebürstet auf den Stühlen, die Schuhe standen blank gewichst davor, und im Ofen verglomm die letzte Glut des Holzfeuers hinter dem Eisengitter, das geräuschlos zur Vorsicht vorgesetzt worden war.

Als sie ins Wohnzimmer kamen, mußten sie eine gute Weile warten, eh jemand von den Wirten sich zeigte. Im Eßzimmer sahen sie das stille Mädchen mit dem schlichten Kleid und dem glattgekämmten Haar den Tisch decken.

Der erste, der erschien, war der Propst. Der kleine Mann sah ganz unerhört feierlich aus. Die Bäffchen saßen steif über dem halb zugeknöpften Rock und machten sein fettes Gesicht noch fetter. Sein Mund sah ganz absonderlich aus, gespitzt wie eine Tüte, und die Augen blinzelten feucht und schräg unter den dichten Augenbrauen hervor.