Denn das war wahrlich Gottes Finger! Daran konnten alle deutlich seinen Willen und seine Absicht erkennen!
Drückend und betäubend lag die Wärme über der ganzen Kirche. Langsam schleppte der Gottesdienst sich hin, bis die Predigt begann. Und die Predigt ging ebenso langsam, und ebenso träge klangen die Choralverse durch den niedrig gewölbten Raum. Da und dort nickte ein Kopf im Schlummer, einer oder der andere lag vornübergebeugt in den Händen, die auf dem Kirchstuhl ruhten.
Niemand entfernte sich, ehe der ganze Gottesdienst zu Ende war. Erst als die letzten Akkorde des Schlußchorals verklangen, erhoben sich alle sachte von ihren Plätzen, dehnten in aller Stille ein bißchen die Glieder und blieben in den Bänken stehen, um erst die Herrschaft hinauszulassen. Dann leerte sich die Kirche, die Türen schlossen sich und der Küster ging, mit den großen Schlüsseln klappernd, heim. Auf allen Wegen und Pfaden wandelten Scharen stiller Menschen nach allen Richtungen durch das sabbatstille Land.
Im Pastorat setzten die Herren sich wieder auf ihren Platz im Wohnzimmer und warteten auf das Mittagessen. Draußen auf dem Hof schliefen die Hunde.
„Es ist gut, daß ich eine kleine Hilfe bekomme!“ sagte der Propst zu Ernst. „Und hier ist dankbares Erdreich!“
Er schneuzte sich und hustete.
„Kein Geist des Aufruhrs, Gott sei Dank! Dankbares Erdreich!“ Und durch das Zimmer klang das einförmige Ticken der Uhr.
Die Tür zum Eßzimmer ging auf und das Mädchen meldete, daß serviert sei.
Fräulein Amelie stand mit der Propstin im Eßzimmer. Sie gab den fremden Herren die Hand und knixte. Der Propst strich ihr, wie am Tage vorher, übers Haar.