Gustaf lächelte. Es lag nichts Herausforderndes in seinem Lächeln, nichts Selbstbewußtes. Nur Verwunderung, daß der ältere Bruder etwas so Einfaches nicht wußte.

„Es kann ja doch gar nicht anders sein“, sagte er.

„Aber — in deinem Alter...“

Ernst brach ab.

„Ich habe nichts dazu getan“, sagte Gustaf. „Es kam von selbst. Wenn man Hunger hat, so ißt man. Und von der Speise bildet sich frisches Blut. Es ist dasselbe...“

Selma blieb vor Ernst stehen und sah ihm grad in die Augen.

„Glaubst du?“ fragte sie.

Ernst wollte der Frage ausweichen, aber die Schwester ließ ihn nicht los.

„Ja“, sagte er schließlich, lauter als notwendig war. „Aber du — wenn du dich von hier wegsehnst — was bindet dich?“ Selma konnte ein Lachen nicht zurückhalten.

„Sieh mal, wie gut es ist, wenn man einmal miteinander redet“, sagte sie. „Nicht einmal das weiß er, obschon es das große Ereignis meines Lebens ist. Was mich bindet? Nun ja, ich ging einmal zu Papa und sagte ihm, ich möchte eine Zeitlang fort, nach Stockholm oder irgendwohin, um ein bißchen mehr zu sehen und zu lernen — und ein bißchen mehr zu leben“, fügte sie bitter hinzu. „Aber er wollte es nicht. Ich weiß, daß er und Mama die Sache miteinander berieten. Aber dann baten sie mich, und Mama weinte, und ich gab nach und blieb.“