„Aber warum wollten sie denn nicht?“
All das war Ernst etwas ganz Neues.
„Warum?“ wiederholte Selma. „Lieber Ernst, was du blind bist! Nun, weil die Welt schlecht ist und mir meinen Glauben nehmen würde. Und darum schließt man einen ein, bis man so stumpf wird, daß man überhaupt alles glaubt. Das ist ihre Taktik. Und manchmal hilft sie ja auch. Aber manchmal kommt es auch vor, daß eins oder das andere sich trotzdem aufrecht hält. Wie lang, das weiß freilich Gott. Das ist die Familientyrannei unsrer Zeit, und sie ist niedriger, gemeiner und kleinlicher, als es die alte, die auf Faustrecht gegründet war, je war.“
Ihre Augen leuchteten; sie setzte sich hart in einen Stuhl.
„Es tut einem ordentlich wohl, sich mal aussprechen zu können“, sagte sie.
„Ja, aber es hat so wenig Zweck“, bemerkte Gustaf.
„Wir werden sehen!“ erwiderte die Schwester.
Ernst erhob sich und ging hinauf in sein und des Vaters Zimmer. Auf all das hatte er keine Antwort. Aber das fühlte er, daß zwischen ihm und den Geschwistern etwas Gemeinschaftliches war, ein gemeinsamer Mangel, den sie deutlicher erkannten als er, unter dem sie aber alle litten.
Als er auf der Treppe war, begegnete er der Mutter, die aus des Vaters Zimmers kam. Sie gingen schweigend aneinander vorüber. Aber als Frau Hallin ins Wohnzimmer kam, warf sie Gustaf und Selma einen mißtrauischen Blick zu, um zu ergründen, von was die Kinder wohl geredet hätten.