„Antworten Sie mir“, sagte sie atemlos. „Antworten Sie mir!“ Sie hatte die Hände gefaltet; ihre schlanke Gestalt zitterte wie in einem Schüttelfrost.
Aber er hatte nichts zu antworten. Voll Verzweiflung blickte er auf ihr bleiches Gesicht mit den leuchtenden Augen und den fest zusammengepreßten Lippen.
„Sehen Sie mich nicht so an!“ sagte er. „Wenn Sie wüßten, wie Sie mich quälen!“
Da begriff sie, daß es wahr, daß nichts mehr zu retten war. Sie hatte ein Gefühl, als habe er sie betrogen, betrogen um alles Glück und allen Frieden im Leben. Sie wandte sich von ihm ab und brach in heftiges Weinen aus. Und sie weinte lange.
Ernst wußte nicht, was er tun sollte. Er wagte nicht, sich ihr zu nähern, und schämte sich, zu gehen.
Mit einmal wandte sie ihm ihr tränenüberströmtes Gesicht wieder zu und strich sich das Haar aus der Stirn mit einer Bewegung, die Ernst fast Furcht einflößte.
„Sie haben mich betrogen“, sagte sie. „Wenn Sie so erbärmlich sind, wie Sie sind, so hätten Sie mich in Frieden lassen müssen! Alles hab’ ich von Ihnen geglaubt, was edel ist und gut! Keine gute, schöne Eigenschaft gibt es, die ich nicht Ihnen beigelegt, keine männliche Tat, die ich nicht Ihnen zugetraut hätte. Hätten Sie mich in den Staub getreten, mich unglücklich gemacht, mich beschimpft, geschlagen — ich hätte es Ihnen verziehen. Aber daß Sie mich genarrt haben, mir meinen Glauben an Sie gestohlen, das verzeihe ich Ihnen nie!“
Wie unter einem Schlag beugte Ernst sich vor jedem ihrer Worte. Als sie fertig war, sagte er: „Ich habe nichts dazu getan, daß Sie mich für besser halten sollten, als ich bin.“
Sie trocknete sich die Tränen ab und blickte eine Weile vor sich hin.