Frau Hallin war gealtert in diesem Jahr. Ihr Gesicht zeigte mehr Runzeln und der Mund noch ausgeprägter als zuvor den eingegrabenen Ausdruck von Wachsamkeit, den Frauen leicht haben, wenn sie fast immer mit dem Gedanken beschäftigt sind, an den Ausgaben zu sparen, damit des Mannes kleines Einkommen für den Haushalt ausreicht.

Trotzdem hatte das sie nicht alt gemacht. Alt war sie geworden, weil sie immer mehr fühlte, wie ihre Kinder sich von ihr loslösten.

Nach der Ordination hatte sie einen Auftritt mit ihrer Tochter gehabt.

Selma kam eines Abends bleich und erregt herein. Ihre große, kräftige Gestalt zitterte, und sie drehte krampfhaft das Taschentuch zwischen den Fingern, um nicht in Tränen auszubrechen.

„Ich habe mir eine Stellung in Stockholm gesucht und sie bekommen“, sagte sie.

Frau Hallin war so niedergeschmettert und so böse, daß sie erst gar nichts zu sagen wagte. Sie fühlte, sie konnte nicht sprechen, ohne sich zu vergessen. Sie beugte sich nur tiefer über ihren Nähtisch, als beuge sie ihren Rücken unter einem Schlag.

„So“, sagte sie einsilbig.

„Ich konnte nicht anders!“ sagte die Tochter.

„Du konntest nicht anders?“

Frau Hallin sah wieder auf.