„Du hättest wenigstens so viel Vertrauen zu deinen Eltern haben können, daß du nicht hinter ihrem Rücken gehandelt hättest.“
„Ihr hättet es nicht zugelassen.“
Hastig und hart kam das heraus. Beide schwiegen eine Weile. Die Mutter konnte nichts antworten. Sie wußte, daß die Tochter recht hatte. Aber der Zorn gärte in ihr und in den Zorn mischte sich das Bewußtsein, besiegt zu sein.
„Ich konnte nicht anders!“ wiederholte Selma.
Und sie richtete ihre kräftige Gestalt auf, während brennendes Rot ihr Gesicht bis zu den Haarwurzeln färbte.
„Ich fange an, alt zu werden“, fuhr sie mit einem nervösen Zittern in der Stimme fort. „Vielleicht sterb’ ich als alte Jungfer, ohne je geliebt zu haben, ohne auf meinen Armen ein Kind gehalten zu haben, das ich mein nennen kann. Aber wenn ich das muß, so will ich wenigstens arbeiten lernen, lernen, mein eigenes Leben zu leben, so gut und so tüchtig werden, als mir möglich ist. Armselig genug wird es ja auch so. Aber wenn ich hier bleibe, werd’ ich ein schlechter Mensch!“
Die Mutter sah sie erstaunt an. Sie schämte sich geradezu, daß ihre Tochter solche Wünsche aussprechen konnte; und Selma verließ hastig das Zimmer, noch eh Frau Hallin ein Wort der Erwiderung hatte finden können.
Im Herbst zog Selma nach Stockholm und hinterließ im Vaterhaus das bittere Gefühl, daß sie sich dort nicht hatte wohl fühlen können.
Gustaf war jetzt noch allein daheim. Aber im Frühling machte er sein Abiturientenexamen, und dann ging auch er. Er hatte die Seinen mit der Erklärung überrascht, daß er auf eine Ackerbauschule wolle, und mit einem Seufzer gab der Adjunkt seine Einwilligung. Er war in einer Art froh darüber. Denn das war billiger, als wenn der Sohn auf der Universität gewesen wäre. Aber es kränkte ihn doch, daß sein Sohn nur ein einfacher Landwirt werden sollte.
„Wird nur ein tüchtiger Mann aus ihm, so ist das übrige ja gleichgültig!“ pflegte er zu sagen, wenn von der Sache die Rede war.