Professor Bruhn kümmerte sich keineswegs um die Warnung, die im Blick des Adjunkten lag; ruhig fuhr er in seinen Bemerkungen fort.
„Eine Satansmusik! sag ich! Ist’s etwa ein Verbrechen, wenn man das sagt? Ist vielleicht die Orgel, die da droben in dem alten Saal steht, und vor der Petterson sitzt und aus Haeffners Choralbuch spielt, so was ganz besonders Heiliges? Spielt man vielleicht jetzt Gottes Wort? Und wird es etwa heiliger darum, daß die Jungens hinter ihren Choralbüchern dazu grinsen?“
Pastor Simonsons Nasenflügel bebten. Er hegte eine Antipathie gegen Bruhn; denn er ahnte instinktiv in ihm den Gegner und hielt ihn außerdem für roh und ungeschliffen. Auch führte er lieber selber das Wort.
„Für mich“, sagte er, „hat der Ton der Orgel immer etwas Ehrwürdiges, auch wenn man sich — in künstlerischer Hinsicht — eine vollendetere Ausführung vorstellen könnte.“
Professor Bruhn schneuzte sich.
„O!“ sagte er ruhig. „Das ist ja eine sehr interessante Erklärung!“
Der junge Lehrer lachte laut auf, und Pastor Simonson sah aus, als ertrage er mit christlicher Geduld eine unerhörte Verunglimpfung.
Plötzlich verstummte die Orgel oben. Eine kleine Weile herrschte Schweigen.
„Glauben Sie, daß die Jungens jetzt beten, Herr Pastor? Wenn sie auch ihre Choralbücher unter der Nase haben?“ fragte Professor Bruhn und nahm eine gewaltige Prise.