Adjunkt Hallin fühlte sich plötzlich wie ein ganz anderer Mensch. Er war froh, daß es so leicht und gut abgelaufen war. Er hatte seine fünfzig Kronen und war wieder ein freier Mann. Und er lachte und schüttelte Bruhn freundschaftlich am Arm.
„Dank dir, Kamerad“, sagte er. „Aber sag, warum warst du denn gegen unsern jungen Kollegen, den Pastor, so ausfällig?“
Professor Bruhn hielt plötzlich mitten in seiner Frohlaune inne; sein Gesicht sah auf einmal ganz anders aus. Die Augen hatten einen fast grimmigen Ausdruck und er schlug mit der rechten Hand in die Luft, daß man fürchten mußte, der Arm würde aus dem Schulterblatt gehen.
„Kollege!“ sagte er. „Meinst du, so einen jungen Hund nehm’ ich als Kollegen? Noch vor fünf Jahren war er mein Schüler. Er taugte nichts, verstand nichts, wußte nichts. Dann ist er fünf Jahre lang in Upsala gewesen und hat es zu einem jämmerlichen Examen gebracht. Und dann kommt er hierher und legt los, als hätt’ er mittlerweile alle Weisheit der Welt mit Löffeln gefressen! Meinethalben — ich gönn ihm ja seinen Glauben! Mag er ein Idiot sein — meinethalben! Aber aus meinem Bereich soll er wegbleiben. Hab ich nicht recht? War die Musik nicht unter der Kanone? Na also, warum braucht er mit mir anzubändeln? Kann ich dafür?“
Professor Bruhn war keineswegs gut auf Pfarrer zu sprechen und versagte es sich im allgemeinen nicht, seiner Antipathie sehr freien Lauf zu lassen. Besonders wenn er ärgerlich war bediente er sich einer fast affektierten, regelrechten und grammatikalischen Redeweise, die ihm gleichsam zur zweiten Natur geworden war. Diese Redeweise klang um so komischer, als er sie immer mit den kräftigsten Flüchen vermischte. Er redete heftig und lange und ging schließlich zu einem stillen, inwendigen Gebrumm über.
Der Adjunkt sah ein bißchen geniert aus.
„Mein Sohn ist ja auch Theologe!“ sagte er endlich.
„Ja — aber der ist aus ganz anderem Stoff!“ sagte der Professor heftig. „Freilich — er kann sich ja auch verändert haben. Man kann ja nie wissen.“
Er schwieg, wie beschämt ob seiner eigenen Grobheit.