„Steh still, Junge!“ kommt es aus dem gefühlvollen Mutterherzen; und dabei packt sie ihn am Arm, daß die Gelenke krachen. „Kannst du nicht still stehen, damit ich nachsehen kann?“ Einen Augenblick lang verstummt sie, während ihre Finger den Riß untersuchen.

„Herrgott im Himmel! Und ganz neue Hosen! Hab ich dir nicht gesagt, du sollst nicht wie ein Wilder herumtollen? Wie oft hab ich dir’s nicht gesagt! Antworte, Junge!“

Klein Erik weiß nichts zu antworten. Er steht bloß und schweigt, blickt abwechselnd auf seine Mutter und schielt nach dem Ende seines Rückgrats, bis ihn die Mutter plötzlich von sich schiebt, zu ihres Mannes Zimmer hinüber geht, die Tür öffnet und ruft: „Abel, komm einmal her!“

Der Professor kommt, im Schlafrock, in der einen Hand eine Zigarre, in der anderen einen französischen Roman. Die Professorin packt den Missetäter am Schlafittich, zerrt ihn mitten ins Zimmer und kehrt sein Hinterteil dem Oberhaupt der Familie zu.

„Was sagst du dazu, Abel? Die neuen Hosen, die er gestern zum erstenmal angehabt hat!“

„Verwünscht noch Eins!“ sagt der Professor.

„Abel“, sagt die Professorin, „verschon mich mit deinem Fluchen in Gegenwart der Kinder. Ich dachte, du hättest denn doch was anderes zu sagen, wenn du siehst, wie dein Kind sich seiner Mutter gegenüber aufführt! Aber du kümmerst dich natürlich um nichts! Du brauchst sie ja nicht zu flicken. Herrgott, was das dir gut täte, wenn du auch nur ein einziges Mal seine Hosen flicken müßtest! Da würdest du dich schon drum kümmern, wenn er sie zerreißt!“

„Vielleicht kann er gar nichts dafür!“ sagt der Professor. „Man kann die Jungens ja doch nicht am Strick führen!“

Die Professorin schreitet majestätisch zum Sofa und setzt sich. „Erik“, sagt sie, „geh ins Kinderzimmer und sag Ida, sie soll dir die Samthosen anziehen. Die kannst du ja dann auch zerreißen, wenn du willst! Du hörst doch — Papa sagt es ja. Jedenfalls bring mir die, die du jetzt anhast; vielleicht kann ich sie flicken, eh du die andern kaputt gerissen hast!“

Erik geht ab. Die Professorin sitzt mit gefalteten Händen im Sofa und wiegt sich hin und her.