„Glaubst du, daß dies die richtige Art ist mit den Kindern?“ fragt der Professor.
„Abel!“ antwortet die gekränkte Gattin. „Ich weiß ja wohl, was ich tue, ist überhaupt nie recht. Aber ich meine, ein bißchen energischer könntest du denn doch auftreten, wenn deine Kinder so wenig Rücksicht für ihre Mutter zeigen. Ich bin ja eine Null hier im Hause, Abel, das weiß ich wohl, wenn du auch das bißchen, was wir haben, mir zu verdanken hast! Und was aus meinen armen Kindern werden soll, wenn sie nicht einmal lernen sollen, was Zucht und Ordnung heißt, das weiß der liebe Gott. Und der weiß auch, wie schwer es eine arme Mutter hat, wenn sie die Sorge für die Erziehung der Kinder ganz allein tragen muß. Ich wollte bloß, ich könnte mehr leisten. Aber ich fühl’s, es zehrt an meiner Kraft, und ich kann nur jeden Abend zu Gott beten, Abel, daß dir nicht noch einmal die Reue kommt, wenn es zu spät ist!“
Die Professorin weint und der Professor geht auf sein Zimmer und macht die Tür hinter sich zu.
Wenn die Kinder Streit haben, schreit wohl manchmal eins in überquellender gerechter Entrüstung: „Wart du nur, ich sag’s der Mama!“
Aber die Drohung hat keine besondere Wirkung. Das andere antwortet bloß: „Ach was, die Mama!“
So ganz unmöglich ist es nicht, daß die Frau Adjunkt am Ende doch recht haben könnte, wenn sie sagt: „Was ich besonders mißbillige an Aurora ist ihre Art mit ihren Kindern. Sie sind von einer Eigenwilligkeit, daß einem wild und weh wird vom bloßen Mitansehen. Wenn das nur gut geht!“
Einmal aber war der Konflikt zwischen den Ehegatten doch schärfer als gewöhnlich. Das war, als Gabrielle heim kam, und den Eltern mitteilte, Leutnant Hagelin habe ihr einen Antrag gemacht.
Der Professor fragte bloß: „Hast du ihn lieb?“
Und Gabrielle antwortete: „Ich weiß nicht, Papa. Aber ich glaube.“