Ein allgemeines Lachen brach los. Gustaf hatte doch auch immer zu wunderbare Einfälle! Und mit dem Lachen senkte sich eine stille, warme Ruhe über das Gemüt des ältesten Sohnes. Er dachte an die Tage, da er noch ein Kind gewesen war, als die Mutter ihnen ihre Lieblingsspeisen gekocht hatte und sie ihre Freunde einladen durften, und ein Gefühl der Zufriedenheit und Freude überkam ihn.

Selma betrachtete inzwischen den Bruder forschend; irgend etwas in seinem Aussehen störte sie. Er sah unmännlich aus. Etwas Energieloses, Müdes lag schon in der Art, wie er sich in den Stuhl zurück lehnte. Verstohlen betrachtete sie ihre eigene volle Figur, ihre kraftvollen Glieder, und dachte: Wenn ich ein Mann geworden wäre und mir meinen Weg im Leben selber suchen dürfte!

Der Bruder paßte viel besser zum Haushammel, fand sie. Der Adjunkt dachte allerlei alte Gedanken aus alten Zeiten.

„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie merkwürdig mich das berührt, daß du jetzt Geistlicher bist!“ sagte er. Seine Stimme hatte einen ungewöhnlich weichen Klang, und die Augen unter der Brille glänzten. „Es war meines alten Vaters großer Kummer, daß keiner von uns diesen Weg einschlug. Und ich hab’s oft bereut, daß ich’s nicht getan hab,“ schloß er seufzend.

Er dachte an seine ärmlichen finanziellen Verhältnisse und hustete ein paarmal, um seine Stimme wieder zu klären. Frau Hallin blickte wieder nach dem Sohn hin, um zu sehen, was er wohl denken mochte. Der aber sagte gar nichts; und in der Dämmerung konnte sie seinen Gesichtsausdruck nicht deutlich erkennen.

Ja, ja, dachte er. Es ist wohl am besten so, wie es ist. Sein aufrührerisches Herz mußte sich beugen; und Gott hatte verheißen: dem, der Vater und Mutter ehrte, sollte es wohlergehen auf Erden.

Eine lebhafte Bewegung ergriff ihn; und fast hoffte er, alle Zweifel, die ihn noch quälten, müßten jetzt verstummen, nun er wieder daheim war. Ja, alles würde gut werden! Jetzt hieß es bloß, vorwärts gehen, vorwärts auf dem Weg, der vor ihm lag. Nicht zu viel denken, nicht grübeln! Wenn er bloß die dummen Gedanken los würde....

Die Lampe kam. Selma hatte sie angezündet. Das grelle Licht tat ihnen allen in den Augen weh; eine Weile saßen sie mit der Hand vor dem Gesicht da. Dann wirkte der Lampenschein belebend; das Gespräch kam besser in Fluß. Alle drängten sich um Ernst, alle wandten sich ihm zu, alle hatten sie ihm irgend was zu erzählen. Der Adjunkt brachte ein paar von seinen letzten Anekdoten an, die die übrigen Glieder der Familie schon einen ganzen Monat lang gehört hatten, so oft Besuch da war; und als er sie erzählt hatte, fragte er Ernst, ob er nicht ein paar neue Upsalaer Anekdoten wisse, zum Beispiel von Ribbing oder Svedelius. Da aber Ernst nicht aussah, als wäre er dazu besonders aufgelegt, verzichtete der Adjunkt und erzählte selber weiter. Frau Hallin erzählte auch. Sie sprach von allerhand Bekannten, von einem Diner beim Bischof und einem Souper beim Dompropst und fing dann wieder von der Familie des Schwagers und der Verlobung an. Selma sagte nicht viel, half nur aus, wenn die Mutter etwas vergaß. Und Gustaf brachte ein paar wenig respektvolle Anekdoten von seinen geliebten Lehrern aufs Tapet, die der Adjunkt aus Gewissenhaftigkeit manchmal zu stoppen versuchte, und die er doch mit heimlichem Vergnügen anhörte. Ganz besonders freute es ihn, wenn Gustaf erzählte, wie sie Onkel Abel an der Nase herumführten. Die Anekdoten merkte sich der Adjunkt immer ganz besonders, um später den Bruder damit zu erbauen.

So ging der Abend hin. Als man zu Nacht gegessen hatte, wurde Abendandacht gehalten. So wurde es zehn Uhr, und der Adjunkt drang eifrig darauf, daß man zu Bett gehen sollte.

„Denkt doch, morgen müssen wir um Sieben aufstehen!“ sagte er.