Frau Hallin umarmte den heimgekehrten Sohn und sah ihm lange ins Gesicht, um zu ergründen, was es nun eigentlich war, was sie so gar nicht recht wiedererkannte.
„Denk auch dran, daß du wieder daheim bist!“ sagte sie...
„Geh mit Papa. Du schläfst in seinem Zimmer.“
Und als alle fort waren, saß sie noch eine Weile bei der Lampe, ehe sie sie löschte. Sie wußte nicht so recht, woran es eigentlich lag. Aber sie hatte sich die Heimkehr des Sohnes ganz anders gedacht.
Das Studierzimmer des Adjunkten Hallin lag unter dem Dach. Eine Holztreppe führte hinauf. Der Adjunkt ging voraus, der Sohn folgte. Schwatzend tasteten sie sich durchs Dunkel, der Adjunkt langte den Schlüssel herunter, der an seinem gewohnten Platz über der Tür lag, und sie traten ein.
Durch das Fenster erblickte man den beschneiten Domplatz, über den hartgestampfte Wege führten und wo die Ulmen ihre nackten, knackenden Zweige im Februarsturm bogen.
Ernst war es wunderlich zu mut. Wie oft hatte er das Verlangen gehabt, hierher, in dies Zimmer, zu gehen und mit dem Vater zu sprechen, vertraulich, wie mit einem Freund. Aber im Erziehungsprogramm des Vaters hatte etwas derartiges nicht gestanden, und heut, wo der Vater es vielleicht selber wünschte, heut wußte er nicht mehr, wo er anfangen sollte.
Der Adjunkt zündete die Kerze an, ließ den Vorhang herab und fing an, sich auszukleiden. Ernst setzte sich in die Sofaecke; sein langgezogenes Gesicht sah im matten Schein der Kerze ganz graubleich aus.
„Gehst du noch nicht zu Bett?“ fragte der Adjunkt.
„Ich glaube, ich möchte noch eine Weile aufbleiben!“