„Mit mir?“ erwiderte Ernst. „Nein.“

Er ging von ihr fort und durchs Zimmer.

„Ich versichere dich, Mama, es ist nichts!“ sagte er. „Was sollte es auch sein?“

Bei sich aber dachte er: Was kann sie nur damit meinen? Mit mir vorgehen? Was soll denn mit mir vorgehen? Etwas muß es ja freilich sein. Seit ich aus Upsala zurück bin, ist es in mir wie eine Unruhe. Ich muß Zeit haben — ich muß zu mir selber kommen. So kann das nicht weitergehen. Ah — was die Menschen alle mich quälen! Und ganz besonders Mama mit ihrem Inmichdringen! Wenn ich mich doch verstecken könnte, irgendwohin, wo keiner mich sieht, und wo ich keinen sehe! Unerträglich ist es hier!

Aber die Mutter ließ sich so leicht nicht abweisen. Sie ging ihm nach und legte ihm die Hand auf die Achsel.

„Sag’ mir, was es ist!“ bat sie.

Jetzt wurde Ernst heftig.

„Laß mich in Frieden!“ rief er. „Was hab’ ich denn getan? Ich hab’ die Abendandacht nicht lesen wollen. Ich weiß selber nicht, warum. Es war mir zuwider. Simonson hat es ja an meiner Statt getan. Und das war ja ebensogut. Warum läßt man mich nicht in Frieden? Siehst du denn nicht, daß ich grade das brauche, Mama? Ich ertrag’ es nicht, daß man so um mich herumgeht und lauert und mich überwacht, als wüßt’ ich selber nicht, was ich wollte! Ich bitt’ dich ganz ernstlich, Mama, laß das!“

Und mit einem freundlicheren Gesichtsausdruck als zuvor bog er sich nieder zu ihr, küßte sie und wollte gehen.