Ernst Hallin fühlte sich recht beschämt. Es war Eva Baumann, eine Freundin seiner Schwester, die er seit seiner Heimkehr noch nicht wiedergesehen hatte. Ohne ein Wort herauszubringen stand er da und sah sie an. Wie hübsch und lieb sie aussah, wie sie sich so über das Brückengeländer beugte! Die kurze Jacke umschloß eng ihre schlanke Gestalt, an der rechten Hand, die sie aus dem Muff gezogen hatte, trug sie einen schwarzen Handschuh, und zwischen dem und dem Ärmel guckte ein rundes kleines Handgelenk hervor.

Verwirrt zog er endlich den Hut und grüßte. Das junge Mädchen neigte den Kopf und lächelte wieder. Dann richtete sie sich aus ihrer gebückten Stellung auf und steckte die Hand in den Muff.

„Adieu, Herr Hallin!“ sagte sie. „Pastor Hallin müßte ich eigentlich sagen.“

Seine Verlegenheit war plötzlich verschwunden. Sie sah so unwiderstehlich lieblich aus, wie sie dastand und die Sonnenstrahlen in den ungebärdigen Nackenlöckchen spielten.

„Warten Sie doch, daß ich Sie begrüßen kann!“ rief er und kletterte den Rain hinauf. Er trat zu ihr hin und faßte ihre Hand.

Daß er das früher gar nicht bemerkt hatte, wie hübsch sie war mit ihrem frischen Lächeln und den tiefen, warmen Augen!

„Ich gehe immer diesen Weg“, sagte sie wie zur Erklärung. „Natürlich konnt’ ich ja nicht denken, daß ich Sie hier treffen würde. Willkommen wieder daheim!“ fügte sie dann hinzu.

„Danke!“

„Was machten Sie denn eigentlich da drunten?“ fuhr sie fröhlich fort.

„Nichts“, erwiderte er, indem er neben ihr herschritt. Eine Weile schwiegen sie beide. Ernst sah zu, wie sie mit kleinen, raschen, gleitenden Schritten neben ihm herging.