Er schlug den Frack zurück und drehte sich seitwärts, um zu sehen, ob sein Bauch dicker geworden wäre, seit er den Frack zuletzt angehabt hatte, glättete den Bart und rückte die Krawatte zurecht. Die flotte Art, wie der Professor eine Krawatte zu binden verstand, war sein Stolz. Dann nickte er seinem Spiegelbild zu und summte gedankenlos eine französische Operettenmelodie.
Mit geradem Rücken und weichen, geschmeidigen Schritten stieg er die teppichbelegte Wendeltreppe wieder hinab und trat in den Salon.
Dort stand seine Frau, mit der großen Lampe beschäftigt, die zu hoch hinaufgeschraubt war.
Die Professorin trug ein schwarzseidenes Kleid mit langer Schleppe. Es war am Hals mit einer großen goldenen Brosche geschlossen, in deren Mitte ein Stiefmütterchen aus Juwelen funkelte; am rechten Arm funkelte ein mit Perlen besetztes goldenes Armband. Die kurzen, halboffenen Ärmel ließen ein Paar volle Arme sehen, die noch die ganze weiße Weichheit der Jugend zeigten.
Als sie den Professor erblickte, ging sie zu ihm hin und legte ihm die Arme um den Hals.
„Abel!“ sagte sie.
Der Professor küßte sie flüchtig auf die Stirn und schob sie sachte von sich. Er kannte diese Gefühlsausbrüche, grad eh die Gäste kommen mußten.
„Ja, lieber Schatz,“ sagte er, „die Zeit vergeht!“
Und er warf einen Blick in den Spiegel, um zu sehen, ob auch die Hemdenbrust oder die Krawatte keinen Schaden gelitten hätten. Die Professorin segelte durch das Zimmer — mit dem eigentümlichen Gang, den kleine dicke Frauen an sich haben, besonders wenn sie Seide tragen.
„Gabrielle!“ rief sie zur Tür hinaus.