Auf dem Sofa saß die Bischofin, auf ihrer einen Seite die Rektorin Ahlkvist, auf der andern die Bürgermeisterin Rundlund. Sie sprachen von einem Basar, der kürzlich abgehalten worden war zugunsten eines Magdalenenheims in Gammelby, und es wurde erzählt, als Nettogewinn wären nicht mehr als fünfundsiebzig Kronen eingegangen. Die drei Damen redeten eifrig durcheinander; die Rektorin und die Bürgermeisterin beugten sich beide zur Bischofin hin, die mit ihrer Teetasse in der Hand dasaß und bekümmert das Haupt schüttelte, während sie ihre Aufmerksamkeit zwischen dem projektierten Magdalenenheim und einem Vanillebrötchen teilte, das sie eben aß.
Die Bischofin war eine kleine magere Dame von völlig weltlichem Aussehen und völlig weltlichen Interessen. Sie sah immer aus, als stünde sie nur zum Scherz einem bischöflichen Haushalt vor; und ihr Mann nahm auch nicht die geringste Rücksicht auf sie, um so weniger, als sie noch dazu bedeutend jünger war als er. Schokoladefrühstücke vormittags waren ihr ganzes Entzücken, und sie war immer darauf bedacht, sich, sobald als nur möglich, zur Jugend zu gesellen. Ja, es konnte vorkommen, daß sie manchmal wagte, in allergrößter Heimlichkeit mit einem von den jüngeren Herren zu kokettieren, dem es grade gefiel, sich auf Kosten der „kleinen Bischofin“ ein bißchen zu amüsieren.
Ein Stück weit davon saß Frau Hallin und unterhielt sich mit Frau Pegrelli. Nicht als ob Frau Hallin eine besondere Vorliebe für Frau Pegrelli gehabt hätte. Sie war langweilig und pedantisch und sprach von nichts anderem als ihrem eigenen religiösen Leben. Aber sie stand in dem Ruf einer sehr frommen Frau, und man sagte, der Dompropst halte viel auf ihr Urteil und ziehe sie in vielen Dingen, die die Gemeinde betrafen, zu Rate. Und das Urteil des Dompropsts über einen Menschen war für alle Kinder Gottes in Gammelby maßgebend. Darum blickte Frau Hallin zu Frau Pegrelli auf als zu einer Seele, die weiter gediehen war in der Gnade Gottes als sie.
Sie hatte überdies heute abend ein ganz besonderes Interesse an der Unterhaltung mit dieser Frau. Frau Pegrelli war Eva Baumanns Tante, bei der das junge Mädchen ein paar Wintermonate lang wohnte, um Musikstunden zu nehmen. Und Frau Hallin wußte, daß ihr Sohn Frau Pegrelli in letzter Zeit oft besucht hatte. Zweimal war er sogar zum Abendbrot dort geblieben. Frau Hallin wollte darum ihre Mutterpflicht erfüllen und versuchen, zu ergründen, was ihr Sohn eigentlich dort triebe. War es denn möglich, daß er, der jetzt an so Ernstes zu denken hatte, den Verliebten spielte? Daß er Eva Baumann wahrhaft lieben könnte, das kam Frau Hallin gar nicht in Sinn, so wenig sie sich das bei irgendeinem andern jungen Mädchen ihres Bekanntenkreises denken konnte.
Deshalb saß sie nun neben Frau Pegrelli und unterhielt sich mit ihr über dies und jenes, über ihren Sohn, und dankte ihr für die Freundlichkeit, mit der sie ihn bei sich aufgenommen hatte. Aber sie fühlte sich durch diese Unterhaltung nur noch mehr beunruhigt.
Ernst Hallin sah, daß seine Mutter mit Frau Pegrelli sprach; er fühlte, wie er rot wurde. Er schickte sich eben an, in das kleine Zimmer zu gehen, in dem die jungen Leute versammelt waren; da hörte er Simonsons scharfe Stimme und blieb unschlüssig stehen.
Der Tee war umhergereicht worden. Herren und Damen saßen oder standen in dem großen Salon herum. Im Wohnzimmer saßen ein paar Vereinzelte, die Anekdoten erzählten und lachten, und im Speisezimmer wanderten ein paar Herren auf und ab und politisierten.
Es lag eine stille Erwartung in der Luft. Jeder saß oder stand auf seinem Platz, wie man sitzt oder steht, wenn man weiß, daß man nicht lange bleiben wird. Man hörte, wie die Damen sich ab und zu ironisch bedankten, daß die Herren ihnen so lange die Ehre ihrer Gesellschaft erwiesen. Auf den Gesichtern mancher Herren spiegelte sich deutlich eine gewisse Unruhe. Sie wechselten oft den Platz, flüsterten sich im Vorübergehen ein paar Worte ins Ohr, und einer und der andere sah heimlich auf die Uhr.
Ganz besonders unruhig sah Professor Kumlander aus. Er war von der Bürgermeisterin in ein Gespräch verwickelt worden und stand nun vor ihr und schmunzelte und verbeugte sich.