Ernst Hallin hatte sich mit einem kleinen Seufzer entschlossen, mit den Herren zu gehen. Er wußte ja, wie es da drin bei der Jugend war. Die jungen Mädchen und Herren saßen um einen Tisch und machten Gesellschaftsspiele. Sie warfen sich ein Taschentuch zu und sagten dabei ein Wort, auf das der andere einen Reim finden mußte; und wer keinen Reim fand, mußte ein Pfand geben. Oder sie machten Schreibspiele. Oder einer ging ins andere Zimmer, und die übrigen dachten sich irgend jemand. Dann wurde der Betreffende wieder hereingerufen und mußte durch Fragen erraten, an wen die andern gedacht hatten. Oder spielten sie Porträt und Motto, oder Ringsuchen, oder irgend so was Ähnliches.

Dazwischen hinein waren Pausen, in denen geschwatzt wurde, allerhand Geschichten, auch ein bißchen Klatsch. Und alle waren schrecklich vergnügt, redeten und schrien durcheinander, stießen mit ihren Wein- und Punschgläsern an und lachten und verführten ein Wesen, daß die Alten draußen manchmal verstummten, um ihnen zuzuhören.

Denn bei Professor Hallins, das wußten die jungen Leute alle, waren sie ungestört; keine Mama oder Tante kam da und guckte plötzlich zur Tür herein, um nachzusehen, was sie trieben. Sie blieben die ganze Zeit unter sich, und wenn das Abendessen serviert wurde, durften sie ihre Teller mit sich in den kleinen Salon nehmen und sich eine Flasche Sekt dazu erobern. Und dann stieg der Jubel aufs höchste.

Ernst Hallin hätte bei all dem so herzlich gern mitgetan. Er wäre ganz zufrieden gewesen, wenn es ihm vergönnt gewesen wäre, ganz still in einer Ecke zu sitzen, sich an der Freude der andern zu freuen und Eva Baumann anzusehen. Aber er brachte es nicht über sich, hineinzugehen. Der Gedanke, daß Simonson im selben Zimmer mit ihm und Eva sein sollte, war ihm unerträglich. Natürlich würde der sie beobachten. Natürlich würde er alles erraten, und würde sie mit seinen kalten Augen anblicken, daß sie gar nichts sprechen könnten.

Ernst warf einen Blick auf die Damen im Salon. Seine Mutter und Frau Pegrelli waren ins Wohnzimmer übergesiedelt; alle andern hatten sich um den großen Sofatisch zusammengedrängt. Vor dem Tisch stand der Bischof und sagte etwas, auf das alle eifrig lauschten. Gleich darauf verbeugte er sich und deutete durch ein Lächeln an, daß er sich jetzt zu den Herren droben zurückziehen wolle.

Da fiel sein Blick auf Ernst Hallin. Sofort ging er auf ihn zu.

„Nun, Herr Pastor, gedenken Sie zur Herrenseite überzugehen, oder bleiben Sie bei den Damen?“ fragte er mit einem Lächeln, das Ernst unangenehm berührte.

„Ich glaube, ich gehe hinauf!“ antwortete er; gleichzeitig bemerkte er, daß die Mutter ihn und den Bischof beobachtete.

Er ward glühend rot, und als der Bischof ihn verwundert ansah, wurde er noch röter.

„Noch bin ich kein Vorgesetzter“, sagte der Bischof, der die Verwirrung des jungen Mannes mißdeutete.