„Auf gestern abend!“ sagte er lächelnd.

„Ja, das war ein verdammt lustiger Abend“, sagte Bruhn.

„Es macht mir aber auch immer Spaß, die Leute in einer Abendgesellschaft wie heute zu sehen. Da nehmen sie sich recht anders aus! Gesetzt und geschniegelt und ernst, als gäb es überhaupt im ganzen Haus kein Herrenzimmer. Und sobald bloß das Wort Punsch erwähnt wird, verschwindet der ganze Haufe, als brennte ihnen der Boden unter den Füßen.“

Er sog eine Weile an seiner Zigarre. Ernst Hallin sah zerstreut vor sich hin.

„Wie ist dir denn zumut vor deiner Predigt?“ sagte Bruhn. Ernst wich den scharfen Augen aus, die ihn durchbohrend ansahen.

„Na — — so — —“ sagte er achselzuckend.

Professor Bruhn lachte.

„Ich hab’ auch einmal Pastor werden wollen“, sagte er. „Aber es ist nichts draus geworden. Es widerstand mir. Und das war recht gut. Denn später bin ich der Freidenker geworden, der ich jetzt noch bin. Und das ist eine mißliche Geschichte, wenn man dann das Pech hat, Pfarrer zu sein!“

Ernst fühlte einen Stich im Herzen; einen Augenblick lang überkam ihn die Lust, all die Gedanken, die ihn bewegten, auszusprechen. Er hatte die Empfindung, als müsse dieser barsche, eckige Mensch ihn verstehen und ihm raten oder ihm wenigstens ein teilnehmendes Wort sagen können. Aber während er überlegte, wie er anfangen sollte, schwand ihm die Lust, und er erwiderte irgend etwas Nichtssagendes.

„Wollen wir uns nicht setzen?“ meinte Professor Bruhn.