Um halb elf fing einer um den andern an, nach der Uhr zu sehen. Als es dreiviertel war, entstand eine merkbare Bewegung unter den Herren. Man erhob sich von den Spieltischen, putzte sich die Nägel, brachte seine Toilette in Ordnung und legte die Zigarren weg.
Ab und zu verschwand einer nach der Region der Damen zu, einen Duft von Tabak und Alkohol mit sich führend, der bei den Damen ein Naserümpfen hervorrief. Mit etwas spitzer Höflichkeit sprach man seinen Dank aus, daß überhaupt jemand so liebenswürdig war und sich um „uns Damen“ kümmerte.
„Ein bißchen was zu essen soll einem schon schmecken jetzt!“ sagte Professor Kumlander und schmunzelte den Bischof, der neben ihm stand, aufgeräumt an.
Der Bischof sah auf ihn nieder mit einem Lächeln, als verzeihe er ihm die weltlichen Lüste, sei aber selber hoch erhaben über alle derartigen Schwachheiten.
„Ich glaube fast, ich fange auch an, ein wenig Hunger zu verspüren“, erwiderte er.
Einen Augenblick lang war es ganz still im Zimmer.
Plötzlich hörte man Schritte auf der Wendeltreppe und gleich darauf kam der kleine Erik gesprungen und flüsterte dem Vater laut die frohe Botschaft ins Ohr: „Mama läßt sagen, das Souper sei fertig!“
Unter den Herren entstand eine Bewegung, so lebhaft und augenfällig, daß der Professor kaum nötig gehabt hätte, die Aufforderung zu wiederholen. Aber um der Form willen tat er es doch: „Meine Herren — ein Gläschen und ein Butterbrot! Darf ich Sie bitten, die Damen zu Tisch zu führen!“
Ein geschäftiger, beherrschter Tumult erfüllte jetzt die beiden Rauchzimmer, wie einen Haufen Barsche, unter die man eine Angelschnur mit dem Köder wirft. Wer noch saß, stand auf, zog die Weste herunter, streckte die Beine. Alles drängte unwillkürlich nach der Treppe. Dann hielten alle plötzlich wieder inne. Die Rangordnung mußte eingehalten werden. Ein kurzer Streit entstand zwischen dem Bischof und dem Landshöfding. Beide Herren bekomplimentierten sich gegenseitig.