Es war ein langer Streit gewesen zwischen dem Ehepaar Hallin, ob man Professor Bruhn einladen solle oder nicht. Die Professorin hatte ärgerlich erklärt, da könne man lieber gleich die ganze Geschichte bleiben lassen. Denn wenn Professor Bruhn dabei wäre, könne man sicher sein, daß er irgendeinen Skandal mache. Aber der Professor bestand darauf, Bruhn müsse eingeladen werden, und so wurde er eingeladen.

Im Verlauf des Abends sah es ganz so aus, als sollte die Professorin unrecht behalten. Professor Bruhn führte sich ganz exemplarisch auf. Er aß und trank, ließ die Damen in Frieden, und als er nach der Anstrengung des Essens ausruhte, stand er meist ganz für sich in irgendeiner Ecke, wiegte sich auf den Absätzen hin und her und drehte sich dazwischendurch mal nach der Wand, um zu schnupfen.

Er schien selber zu fühlen, daß er auf der Hut sein müsse. Jetzt eben hatte sich ein Kreis von Damen grade vor Bruhn versammelt. Es waren dieselben, die vor dem Essen von dem Basar gesprochen hatten.

Ein anderes Thema war jetzt auf dem Tapet. Pastor Simonson hatte den Vorschlag aufgebracht, man solle alle Geistlichen in Gammelby für eine gemeinsame Bibelstunde im großen Saal des Gymnasiums interessieren. Pastor Simonson selber stand mitten unter den Damen und redete mit trockener Stimme und lebhaften Gebärden. Die Damen lauschten andachtsvoll. Und niemand achtete auf Bruhn, der jedes Wort hörte und die entsetzlichsten Grimassen schnitt, um seine Haltung zu bewahren.

Zuletzt aber ward es ihm zuviel. Er machte einen Schritt auf die schwatzende Gruppe zu und hustete. Aller Augen wandten sich ihm zu. Der Professor hatte gar nicht beabsichtigt, etwas zu sagen; da aber alle schwiegen, so hielt er es für seine Pflicht, sich zu äußern und sagte: „Ich für mein Teil finde, es wäre schade, den einzigen Abend zu verhunzen, den man die ganze Woche über für sich hat“.

Der Professor fand, er habe sich ganz passend und maßvoll ausgedrückt. Daß eine Bibelstunde nichts Amüsantes wäre, das, fand er, war doch sonnenklar. Er war darum nicht wenig verwundert, als er merkte, welch eine Verstimmung er hervorgerufen hatte.

Zum Glück hatten bloß wenige von der Gesellschaft seine Indiskretion beachtet. Die Professorin Hallin hatte aufgepaßt und schickte jetzt ihren Mann zu Bruhn, indem sie ihre Freude darüber aussprach, daß sie doch recht gehabt hätte.

Aber auf dem Tisch standen Braten und Geflügel. Und über dem Geflügel vergaß man Bruhn.

Es war ein Essen ohne Maß und Ziel. Man überlegte es sich in guter Ruh, man aß der Reihe und Ordnung nach alle Gerichte durch, sicher, daß man überall herumkommen würde. Und obgleich alle wußten, daß sie am folgenden Tag über heut abend jammern würden, so fiel es doch keinem ein, auf dies Morgen irgendwelche Rücksicht zu nehmen.

Am meisten schwelgten wohl Gustaf Hallin und der Leutnant. Letzterer bediente seine Braut und stieß heimlich ein paarmal mit ihr in der Fensternische an, wohin sie sich geflüchtet hatten, um sich in den Pausen wieder einmal zu küssen. Später aber verzog er sich von der Damenseite und stürzte sich mit einem Eifer auf die Fleischgerichte, der zu beweisen schien, daß die Liebe einen gradezu aushungernden Einfluß auf den Menschen haben müßte. Und daneben zeigte er in ganz unverkennbarer Weise, wie wohl er des Schwiegervaters Weinkeller zu schätzen wußte.