Aus allem Gesagten geht hervor:

1. Graf Cobenzl, Frau Nettine, ihre Familie sowie alle, die an dem lächerlichen Mysterium der angeblichen Geheimmittel dieses Abenteurers beteiligt sind, haben sich derart hereinlegen lassen, daß sie Vorschüsse und Auslagen in Höhe von fast 100000 Gulden nur für seine Person und auf Rechnung seiner ungeheuren Reichtümer gemacht haben, die sich, wie sie heute zugeben, auf Nichtigkeiten beschränken und sich vielmehr in Schulden verwandelt haben, die sicherlich aus ähnlichen Schwindeleien wie die in Brüssel verübten herrühren.

2. Nachdem sie sich so gröblich über den Charakter dieses Gauners getäuscht haben, trotzdem sie seine Geschichte und seine Abenteuer kannten, geben sie uns das Recht, ihrem Urteil über die Geheimmittel zu mißtrauen, die er ihnen so teuer aufgeschwindelt hat. Dies berechtigte Mißtrauen wird bestärkt durch die Abweisungen, die Surmont in Frankreich, in Holland, in England und überall erfahren hat, wo er seine kümmerlichen Geheimmittel wie bei uns angepriesen haben wird. Ich hätte mir also alle Vergleichungen, Berechnungen, Proben und Prüfungen ersparen können.

Aus ihnen hat sich ergeben:

3. Die gefärbten Seiden- und Wollstoffe bieten dem Publikum durchaus nichts Neues und können daher die Vorteile der Neuheit und des Monopols nicht beanspruchen. Sie bieten selbst in den bekannten Farben nichts Hervorragendes und sind bei weitem nicht in allen Farbgattungen vorhanden. Schon die Wiener gefärbten Stoffe übertreffen in dieser Farbenskala die seinen; um wieviel weniger könnten sie sich also gegenüber den englischen, französischen und holländischen behaupten!

4. Somit beruhen alle ihre Erwartungen nur auf dem Absatz in den Niederlanden. Aber sie haben dessen Umfang nicht berechnen können oder wollen, obgleich dies der einzige feste Anhaltspunkt wäre, um die Höhe der Einnahmen zu berechnen und ihr die Kosten gegenüberzustellen. Denn ohne einen solchen vorherigen Anschlag kann, ja muß es geschehen, daß sie bei dem überstürzt und höchst unbesonnen begonnenen Großbetrieb in einem Monat mehr Stoffe färben, als die einheimischen Fabriken in einem Jahre verbrauchen können.

5. Günstigsten Falls, d. h. wenn man den ganzen inneren Markt versorgen könnte, wäre das Unternehmen moralisch unrecht und politisch verkehrt. Unrecht, denn man brächte alle Privatfärbereien mit Güte oder mit Gewalt an den Bettelstab. Mit Güte, wenn man sie durch den billigen Preis überflügelte; mit Gewalt, wenn man zur Billigkeit noch das Monopol fügte. Politisch wäre das Unternehmen verkehrt; denn selbst bei der Annahme, man könnte alle Privatindustrieen verstaatlichen — was der täglichen Erfahrung völlig widerspricht —, wären diese Industrieen in Privathänden für den Staat weit wertvoller als beim Staatsbetriebe. Denn im ersten Falle begünstigen sie den Bevölkerungszuwachs, spornen den Wetteifer an, vermehren die Umlaufskanäle, setzen den einheimischen Handel in Nahrung, vervielfältigen seine Werte und unterstützen die Landwirtschaft und die Landesverteidigung. Beim Staatsbetriebe dagegen fallen durch die Zusammenfassung alle diese günstigen Faktoren fort; der Unterhalt von tausend Familien wird von hundert Angestellten und Arbeitern verzehrt, und hundert Menschen verarmen, um einen einzigen zu bereichern. Ein derartiges Unternehmen würde den Untertanen E. M. also keineswegs nützlich sein, wie man dreist behauptet hat, sondern sie zugrunde richten. Sie würden sich mit Recht laut beklagen, und wir zögen uns die bittersten Beschwerden und Klagen der Stände auf den Hals. Sind dies aber im günstigsten Falle die notwendigen Folgen eines solchen Unternehmens, dann kann man unmöglich mit dem Grafen Cobenzl in der Billigkeit allein das Mittel sehen, um den ganzen Verbrauch der Niederlande an gefärbten Stoffen an sich zu reißen. Damit sinken alle seine Erwartungen in Nichts zusammen, und es bleibt ihm nichts als die Reue, so große Opfer gebracht zu haben. Und tatsächlich hat Cobenzl unrecht; denn er hat nicht bewiesen, daß es möglich ist, die Privatindustrie mit allen ihren Hilfsquellen auszuschalten und ihr für alle Zeit die Kenntnis des Geheimverfahrens zu entziehen, das nach Aussage der Frau Nettine ziemlich leicht zu erraten ist. Ebensowenig hat er schließlich bewiesen, daß es möglich ist, die Privatindustrie durch Schönheit und Güte der Farben und durch Billigkeit des Preises zu übertreffen, wenn sie erst einmal nach seinem Geheimverfahren arbeitet.

Aus meiner Darlegung ergibt sich ferner:

6. Daß die Gewinne aus der Gerberei heute von den einheimischen Gerbern gemacht werden, und daß Graf Cobenzl diese Gewinne durch Surmonts Geheimverfahren nur zu vergrößern hofft. Dabei verdient die Gerberei unter den angeblichen Geheimverfahren noch am meisten Beachtung, und gerade darüber wissen sie noch am wenigsten; denn alle ihre positiven Angaben beschränken sich auf das Gewicht der heute von unseren Gerbern verarbeiteten und verkauften Felle. Ebensogut könnte man sagen: Es gibt in den Niederlanden 10000 Schuhmacher; jeder verdient täglich soundsoviel. Man braucht also nur alle Stiefel und Schuhe, die diese Schuhmacher anfertigen, auf Rechnung des Staates herzustellen und hat allein den ganzen Gewinn davon. Wenn man so weiter fortfährt, alle Gewerbe an sich reißt und sie selbst ausübt, und angenommen, es gelingt, so muß man E. M. neue Untertanen verschaffen, die soviel Geld haben, um alle diese Waren zu kaufen; denn die Ihren wären zugrunde gerichtet und verarmt. Daß bei der Gerberei Geld zu verdienen ist, wußten wir ohnehin. Daß aber der Staat diesen Gewerbszweig auch noch an sich reißen müsse, das sollte man nicht vorschlagen, ohne vorher deutlich nachzuweisen, was für wirkliche und neue Vorteile für die Bevölkerung daraus entspringen.

Für die Hutfabrik gilt genau das gleiche.