7. Surmont hat ihnen ebensowenig das Geheimverfahren angegeben, durch das gewöhnliche Öle geruchlos gemacht und derart verfeinert werden, daß sie einen Ersatz für das feine Provenceröl bilden. Dieser Artikel wäre der einzige, der den Staatsfinanzen ohne Schaden für die einheimische Industrie und den einheimischen Handel die größten Einkünfte verschaffen könnte; denn es gibt noch nirgends eine derartige Fabrik, die Rohstoffe hätten wir in den Niederlanden, und somit würden neue Werte geschaffen. Aber die Ankündigung dieses Geheimverfahrens ähnelt der uns gegebenen über die Verwandlung von Eisen in ein goldartiges Metall. Beides ist gleich unwahrscheinlich; denn schon das Geheimverfahren zur Verfeinerung von Ölen in der angegebenen Weise wäre Surmont in Holland und England zu jedem von ihm geforderten Preise abgekauft worden.
8. Die uns vorgeschlagene Verwaltung ist ebensowenig sparsam, wie das Benehmen gegen Surmont von Anfang an bis auf diesen Tag klug war. Sie würde sieben bis acht Werkstätten zu verwalten haben, deren jede die ganze Tatkraft und Wachsamkeit, den ganzen Fleiß und die ganze Sparsamkeit mehrerer sehr erfahrener Geschäftsleute in Anspruch nähme. Das Verwaltungsbüro allein würde 8000 Gulden jährlich kosten. Fast ebensoviel würden die Zinsen für die bereits so leichtfertig ausgegebenen Summen erfordern. Dabei ist noch kein Pfennig inbegriffen für die Löhne eines Schwarmes von Arbeitern und für die Beschaffung von Rohstoffen.
Aus all diesen Schlußfolgerungen ergibt sich als offenkundig und unbedingt notwendig, daß diese gewagten Unternehmungen weder der Sache nach noch in ihrer Verwaltung und in ihrem Betrieb den Staatsfinanzen entsprechen. Da jedoch Frau Nettine aus eigener Tasche den unsinnigen Vorschuß von fast 200000 Gulden gemacht hat und sie diese Fabriken auch übernehmen will, so ist es recht und billig, daß E. M. sie ihr überlassen und gleichzeitig Ihre Regierung beauftragen, ihr alle Erleichterungen und Vergünstigungen zu gewähren, die sich mit der Wohlfahrt der Staatsfinanzen und der Landesverfassung vereinbaren lassen.
Eigenhändiges Marginal Maria Theresias
Placet. Ich billige alle Vorschläge des Kanzlers.
Cobenzl an Kaunitz
Brüssel, 22. Juli 1763.
Seit dem Erlaß E. E. vom 5. ist von der Sache in Tournai nicht mehr die Rede. Ich war Zeuge davon, daß Herr Bürgermeister Hasselaar[389] über unseren Mann sehr günstig gesprochen hat, aber von der Anlage einer Manufaktur war zwischen ihnen nie die Rede.
Maria Theresia an Prinz Karl von Lothringen
Wien, 24. Juli 1763.