In Gesprächen war er äußerst unterhaltend, verriet viele Welt- und Menschenkenntnis und ließ hier und da einige mysteriöse Reden fallen, von denen er ebenso geschickt abzuspringen und den Discours auf andere Gegenstände zu lenken wußte, wenn man etwas Näheres zu wissen verlangte. Vorzüglich sprach er gerne von den Jahren seiner Kindheit und von seiner Mutter, die er nie ohne scheinbare Rührung und bisweilen mit Tränen in den Augen nannte. Ihm zu glauben, hatte er fürstliche Erziehung genossen.
Er war absprechend, aber nie unhöflich. Daß er, wie der sonst so wahrheitsliebende Baron Gleichen sagte, „zu Triesdorf nach Belieben gehauset, daß er den Markgrafen wie einen Schulknaben behandelt[409]“, ist weder wahr noch wahrscheinlich. So leutselig der Markgraf in dem gesellschaftlichen Umgange war, so gut wußte dieser Fürst die Achtung zu behaupten, die man seiner Geburt, seinem Range und seinen guten moralischen Eigenschaften schuldig war. Er würde es nicht gelitten haben, daß man ihm beföhle; viel weniger würde er dies einem Unbekannten übersehen haben.
Womit sich dieser Sonderling den ganzen Tag über beschäftiget, war schwer zu bestimmen. Er hatte keine Bücher bei sich als eine verschmutzte Ausgabe von dem „Pastor fido“[410]. Man wurde selten bei ihm vorgelassen, und dann fand man ihn meistenteils den Kopf in ein schwarzes Tuch gehüllt. Seine vorzüglichste Beschäftigung mag wohl in Bereitung allerlei Farben bestanden haben; denn die Fenster seines in den Garten hinausgehenden Zimmers waren so mit Farben allerlei Art überschmiert, daß man nicht durchsehen konnte. Bald nach seiner Ankunft zu Triesdorf fing er an, dem Markgrafen Anweisung zu verschiedenen Zubereitungen zu geben, die den Grund zu einträglichen Fabriken legen sollten. Unter diesen zeichneten sich vorzüglich allerlei Arten von Saffian, Korduan und Juchten aus, die aus dem schlechtesten Schafleder hervorgebracht werden sollten, die Zubereitung des schönsten türkischen Garns usw.
Der Markgraf ließ die Rezepte durch den Verfasser dieser Beiträge aufnehmen, und nun ging man an die Versuche selbst, die nach seinem Verlangen mit dem größten Geheimnis angestellt werden sollten. In einem besonders dazu bereiteten Laboratorio wurde die Arbeit angefangen, und die Versuche wurden bei verschlossenen Türen angestellt.
Lebhaft erinnert sich noch nach so manchen Jahren der Verfasser der lustigen Auftritte dieser Versuche, und wie oft und herzlich er mit dem Markgrafen darüber gelacht, den Fürsten und seinen Vertrauten in einer Werkstatt zum Gerber und Färber umgeformt zu sehen. Man wollte alles versuchen und das Gute behalten. Allein die Hoffnung sank bald unter näherer Prüfung. Schon hatte man mit leichter Mühe und geringen Kosten den schönsten Korduan hervorgebracht, und in der Freude seines Herzens ließ sich der Verfasser Schuhe daraus verfertigen, die sehr gut ausfielen, aber in den ersten 24 Stunden in Stücken zersprangen. So unhaltbar war das türkische Garn, und so war es mit mehreren Artikeln. Tzarogy schob, wenn man ihn zu Rate zog, die Schuld auf fehlerhafte Manipulation, die doch sicher in den Ingredienzien lag, deren man sich bediente. Er versprach von Zeit zu Zeit, selbst die Hand anzulegen, um die wahren Vorteile zu zeigen, und so vergingen einige Wochen, während welcher der Unbekannte abwechselnd sich zu Triesdorf und Schwabach aufhielt. War er zu Schwabach, so schrieb er oft an den Markgrafen und an den Verfasser, schickte immer neue Proben von zubereitetem Leder, von gefärbter Seide und Tüchern ein, wovon der Verfasser noch eine ganze Schachtel voll besitzt. Die Proben waren meistenteils mit Tzarogys eigener Hand überschrieben, z. B. auf Lederproben:
„Völlig unbekannte Lederarten; man zerschneide sie und wird die Haltbarkeit merken.“
„Sehr billige Lederarten, die ganz allein ohne den geringsten Kunstgriff aus Abfällen hergestellt werden, die zur Bereitung von Häuten nicht mehr verwendbar sind.“
Auf gefärbte Tuchmuster: „Bei allen diesen Farbproben läßt sich immer größere Schönheit, Feinheit und Haltbarkeit erzielen, ich glaube bis ins Grenzenlose. Um sich davon zu überzeugen, braucht man nur das Schwarz dieser Musterkarte mit den am letzten Dienstag eingesandten zu vergleichen. Dann wird man den Unterschied sehen; man kann noch viel weiter gehen.“
Auf einem anderen Muster: „Dies kostbare Schwarz ist ohne Vitriol, ohne Galläpfel und ohne Sieden erzielt. Es verschießt nie und wird aus feinem Russisch Blau hergestellt. Dies unvergleichliche Gelb wird in lauterem, kristallklarem, kristallreinem Wasser eingefärbt.“ Und dergleichen mehr.
So erhielt er die Aufmerksamkeit und die Hoffnung, daß doch vielleicht unter so vielen vorgelegten Proben sich einige nützliche, bisher unbekannte Gegenstände finden dürften.