Bei seiner Ankunft zu Schwabach traf der Verfasser dieses den Grafen Saint-Germain zu Bette liegend an; denn trotz seines Pochens auf seine Gesundheit und sein hohes Alter hatte er oft Anfälle von Gicht.
Er gestand auf den ihm gemachten Vorhalt, den er sehr gelassen anzuhören schien, daß er alle oben bemerkten Namen, bis auf den von Soltikow, von Zeit zu Zeit angenommen habe; daß er aber allenthalben unter diesen Namen als ein Mann von Ehre bekannt sei, und daß, wenn ein Verleumder sich etwa erlauben sollte, ihm schlechte Handlungen aufzubürden, er bereit sei, sich auf eine genügende Art auszuweisen, sobald er wisse, wessen man ihn beschuldige und wer der Ankläger sei, der gegen ihn aufzutreten gedenke. Er fürchte keine Verfolgungen als diejenigen, welchen ihn sein Name aussetzen könne. Er behauptete standhaft, dem Markgrafen keine Unwahrheit in Ansehung seines Namens und seiner Familie gesagt zu haben. Die Beweise seiner Herkunft befänden sich aber in den Händen einer Person, von der er abhängig sei; eine Abhängigkeit, die ihm in dem Laufe seines Lebens die größeste Verfolgung zugezogen. Eben diese Verfolgungen und Attentate, wie er sich ausdrückte, hätten ihn verhindert, die großen Kenntnisse, die er besitze, werktätig zu benutzen. Er habe sich dieserhalben an einen Ort zurückgezogen, in dem er unbekannt und unbemerkt leben zu können geglaubt. Jetzt sei der Augenblick gekommen, in welchem er das, was er versprochen, in das Werk setzen könne und werde, wenn man ihn nicht selbst daran hindere.
Auf die Frage: warum er den Markgrafen nicht von den verschiedenen Namen praeveniert habe, unter denen er in so manchen Staaten und Städten aufgetreten, erwiderte er, daß er dieses nicht für nötig gefunden habe, weil er geglaubt, daß man ihn, da er nie etwas von dem Markgrafen verlangt, da er niemand beleidigt oder in Schaden gesetzt habe, nicht hiernach, sondern nach seinen Handlungen beurteilen würde. Niemals sei es ihm beigegangen, das Vertrauen des Markgrafen zu mißbrauchen; er habe seinen wahren Namen angegeben; in kurzer Zeit würden seine Handlungen keinen Zweifel über seine Denkungsart hinterlassen, und dann würde er Proben seiner Herkunft vorlegen können. Die ungünstige Meinung, die man dem Markgrafen gegen ihn beigebracht habe, falle ihm sehr empfindlich. Er werde aber, falls man das, was jetzt vorgehe, heimlich halten wolle, fortfahren, seine Versprechungen zu erfüllen und den Markgrafen dadurch zwingen, ihm seine Achtung wieder zu schenken; im Gegenteil werde er sich genötigt sehen, das Land zu verlassen.
In dem weiteren Verfolg dieser Unterredung äußerte er, daß er die erste Bekanntschaft des Grafen Orlow zu Venedig gemacht habe. Das Patent, das er von ihm erhalten, und das er bei dieser Gelegenheit nochmals vorzeigte, war von dem Grafen zu Pisa ausgefertigt und auf den Chevalier Welldone verlautend. Auch erwähnte er hierbei des Vertrauens, mit welchem ihn Ludwig XV. beehrt, der ihn in den 1760er Jahren zur Einleitung einer Friedensunterhandlung mit England heimlich gebraucht. Seine genaue Bekanntschaft mit dem Maréchal von Belle-Isle habe ihm aber den Haß des Grafen Choiseul zugezogen, der nach England geschrieben und seine Verhaftung von dem Minister Pitt verlangt. Der König habe ihn hierauf von dem ihm bevorstehenden Schicksal unterrichtet und ihm den Rat gegeben, nicht wieder nach Frankreich zu kommen[416].
Diese Anekdote stimmt also mit demjenigen, was Baron Gleichen in seinen Mémoires erwähnt[417], vollkommen überein, und noch weit stärker wird sie durch dasjenige bestätiget, was Friedrich II. in seinen Oeuvres posthumes, tome IV, page 73 anführt[418]. (Der König bezeichnet ihn hier als einen Menschen, den man nie habe enträtseln können.)
Die Briefe des Markgrafen gab er mit scheinbarer Rührung bis auf einen einzigen zurück, den er, wie er sagte, dem Grafen Orlow mitgeteilt habe.
Nach diesem Vorgang blieb er noch einige Zeit ganz still in Schwabach, von wo aus er über Dresden, Leipzig und Hamburg sich nach Eckernförde im Schleswigschen verfügte und daselbst zu Anfang des Jahres 1780[419] an einem Schlagfluß, der ihm gleich die Zunge lähmte, wahrscheinlich in einem Alter von etlichen 80 Jahren seine abenteuerliche Laufbahn beschloß.
Sonderbar ist sie genug, diese Laufbahn. Es bleibt sonderbar, daß ein Mann, der sich in seinem ganzen Leben unter so verschiedenen Namen in der großen und kleinen Welt herumgetrieben, nie dem Richter oder der Polizei in die Hände gefallen. Unstreitig verstand er die Kunst, die Neigung der Menschen zum Wunderbaren zu benutzen und zu unterhalten, und wie oft mag er Veranlassung gefunden haben, mit Figaro auszurufen: „O, que les gens d’esprit sont bêtes[420]!“
Daß er große chemische Kenntnisse besessen, davon kann sich der Verfasser dieser Beiträge nicht überzeugen. Seine Präparate fielen in die Augen, allein es waren lauter Versuche im Kleinen; zu den Fertigungen und Zubereitungen von Leder kamen ätzende Sachen, als Vitriolspiritus, Vitriolöl u. dgl. Dies beweisen die Muster, die noch übrig sind und wovon, wie es der Augenschein gibt, das Papier, in das sie gewickelt waren, zerfressen worden. Nie hat er, solange er in Schwabach war, irgendeinen Artikel ins Große gefertigt. Die oben bemerkten Steine, deren auch Baron Gleichen gedenkt[421], waren zwar schön und würden vielleicht, unter echten Schmuck gefaßt, selbst das Auge eines Kenners getäuscht haben; aber es waren keine Edelsteine. Sie widerstanden der Feile nicht, und ebensowenig hatten sie das Gewicht echter Steine. Saint-Germain selbst hat sie nie für Brillanten ausgegeben. Der Verfasser besitzt noch einen dieser Steine und ein Stück von der Masse, aus der sie vermutlich gefertigt worden. Das Similor, das Saint-Germain als eine wichtige Erfindung ausgab, verlor in kurzer Zeit seinen Glanz und wurde so schwarz wie das schlechteste Messing. Eine Fabrik von diesem Metall, die zu L. errichtet worden, fiel nach kurzer Zeit.
Unter den Proben seiner geheimen Künste zeigte er einst ein großes Taschenmesser, wovon die Hälfte wie Blei biegsam, die andere aber unbiegsam und hartes Eisen war. Er wollte dadurch einen Beweis des Geheimnisses geben, das er besitze, das Eisen so biegsam und ductile[422] wie Blei zu machen, ohne daß es dadurch etwas von seinen übrigen Eigenschaften verliere. Diese Erfindung wäre nun freilich von bedeutendem Nutzen gewesen, allein man konnte ihn nie bewegen, den Versuch im Großen zu machen.