Potsdam, 15. März 1777.
Versuchen Sie auch zu ermitteln und teilen Sie mir sofort mit, in welcher Absicht der von Ihnen erwähnte Saint-Germain nach Leipzig gekommen ist. Sie werden es leicht durch Kaufleute erfahren, die Beziehungen zu Leipzig haben.
König Friedrich an die Prinzessin Wilhelmine von Oranien[434]
Potsdam, 17. März 1777.
Man droht uns hier mit dem Erscheinen eines berühmten Abenteurers, eines gewissen Saint-Germain, der sich in Frankreich und England aufgehalten hat und von dem man Wunderdinge erzählt. Ich mag dies Volk nicht; es hinterläßt gewöhnlich unangenehme Spuren an der Stätte seines Wirkens. Indes, er ist noch nicht angekommen.
Alvensleben an König Friedrich
Dresden, 24. März 1777.
Der berüchtigte Saint-Germain ist noch immer unter dem Namen Welldone in Leipzig. Ich habe viele Tatsachen und Anekdoten über diesen seltsamen Mann gesammelt, aber das alles ist augenblicklich noch so unzusammenhängend, daß ich es E. M. nicht zu berichten wage, ohne mich lächerlich zu machen. Ich werde mir jedoch alle Mühe geben, Näheres über ihn zu erfahren, und ich verfolge ihn so genau, daß ich hoffe, E. M. Befehle bald erfüllen zu können. Sicher ist, daß er in engen Beziehungen zum Grafen Alexis Orlow steht, daß dieser ihm Briefe an seinen Bruder, den Fürsten[435], gegeben hat; denn damals beabsichtigte er, nach Rußland zu gehen. In diesen Briefen bat Orlow seinen Bruder, ihn wie seinen Busenfreund zu behandeln, da er ihn als einen der achtbarsten Menschen der Welt erkannt habe.
Bevor er nach Leipzig kam, hat er ein volles Jahr in Nürnberg, Schwabach und im Ansbachischen zugebracht[436]. Aus allem, was jetzt über ihn geredet wird, geht hervor, daß er ein äußerst geistvoller und kenntnisreicher Mann ist, der die Menschen kennt, mit denen er spricht, und der seine Reden dem Geist und der Auffassung eines jeden anzupassen versteht.
Der Zweck seines Aufenthaltes in Leipzig ist noch unbekannt; denn alles, was man sich darüber erzählt, ist mehr als unwahrscheinlich.