(Potsdam) 9. Juli 1777.
Saint-Germain ist noch nicht angelangt. Vielleicht besinnt er sich; denn ich habe ihn vor dem hier herrschenden Unglauben warnen lassen. Anbei eine Denkschrift über seine Kunstfertigkeiten, die er mir gesandt hat[452]. Könnte er Gold machen, so hätte er sich selbst damit versorgt, aber diesen alten Köder wagt er nicht auszuwerfen. Für uns besteht die einzige Kunst des Goldmachens in der Hebung von Landwirtschaft und Handel, aber auch damit kommt man nicht weit; denn die Ein- und Ausfuhrstoffe sind durch unsere Erzeugnisse und unseren Bedarf bedingt. Somit ist es klar, daß wir es bei den jetzigen Verhältnissen nicht so weit bringen werden wie Krösus und Montezuma. Man kann sehr glücklich sein, ohne von Gold zu strotzen; Seelenruhe und Frohsinn sind mehr wert als alle Schätze Perus.
Prinz Heinrich an König Friedrich
Rheinsberg, 15. Juli 1777.
Ich danke Dir, lieber Bruder, für die mir freundlich übersandte Denkschrift mit den Wundern, die Saint-Germain zu vollbringen weiß. Allerdings verheißt er viel; aber er weiß auch viel, muß umfassende Studien getrieben haben und hat stets für einen Wundermann gegolten. Daher ist wohl möglich, daß er das Geheimnis besitzt, gewisse Stoffe auszunutzen und zu vervollkommnen. Ein Versuch mit zwei bis drei von ihm vorgeschlagenen Gegenständen kann keine großen Kosten verursachen und würde, wenn er glückt, immerhin einen beträchtlichen Gewinn eintragen, zwar nicht die Schätze eines Krösus oder Montezuma, aber man kann reich, ja riesig reich sein, ohne sich mit ihnen vergleichen zu können. Den Maßstab für den Reichtum bilden die eigenen Bedürfnisse. Wer sein Genügen findet, büßt nichts von der Heiterkeit und dem Frieden seiner Seele ein, ja, er steigert sie noch, wenn er das Los der Unglücklichen und Bedürftigen zu erleichtern versteht.
III
Aus den Briefen des Kurfürsten Maximilian III. Joseph von Bayern (1727-1777)
Kurfürst Maximilian an seine Schwester, die Kurfürstin-Witwe Maria Antonia von Sachsen[453]
München, 27. März 1777.
Man sagt, bei Euch hielte sich ein Mensch auf, der 200 Jahre alt ist. Schreibe mir doch, was ist wahres daran.
München, 10. April 1777.