Ich stellte bei ihm mehrere Widersprüche fest und noch mehr Lügen. Jemand verlangte von ihm 4000 Gulden zurück, die er in Schwabach oder Umgegend aus der Zeit seines dortigen Aufenthaltes noch schuldig ist. Er machte ihm weis, daß er sie aus dem Erlös eines Wechselbriefes von 4000 Rubeln bezahlen würde, den er mir zum Verkauf übergeben hätte. Diese Lüge hat er sich in der Zeit geleistet, wo er mich beschwor, ihm durch ein Darlehen aus der Verlegenheit zu helfen.
Kann ein Weiser lügen? Gegenwärtig soll es mit seinen Finanzen besser stehen; er hat einen Leichtgläubigeren gefunden, mit dem er beim Goldmachen ist.
Ich hoffe, Eure Hoheit werden diese vielen Worte entschuldigen, aber ich glaubte, Ihnen meine Ansicht über diesen Sonderling nicht verhehlen zu sollen.
Nachschrift. Soeben übersendet mir Saint-Germain den beifolgenden Brief für Eure Hoheit[458].
Bischoffwerder[459] an Prinz Friedrich August
Elsterwerda, 25. März 1777.
Ich gestehe, daß ich zu wenig aufgeklärt bin, um ein Urteil über einen Mann wie Herrn von Saint-Germain zu haben. Aber ich will Ihnen gehorchen und Ihnen frei meine Gedanken über den Brief des Bruders Dubosc[460] und den des Grafen Welldone[458] aussprechen.
Obwohl man von jenem sagen kann: Ecce vere Israelita, in quo dolus non est[461], glaube ich doch (aus Erfahrung), daß er in seinem Urteil über sehr achtbare Personen recht vorschnell ist. Der Vorwurf einer Lüge bedarf stichhaltiger Beweise; zudem muß er wissen, daß die größten Kenntnisse mit Armut sehr wohl vereinbar, ja bisweilen (durch das Gesetz) von ihr nicht zu trennen sind. Man kann ungeheure Schätze austeilen und doch davor zurückscheuen, eine sehr mäßige Summe aus Laune auszugeben. Der Bruder Dubosc muß aus den Berichten aller, die Herrn von Saint-Germain seit lange kennen, doch wohl wissen, daß er oft in die Lage gekommen ist, sich Geld zu borgen, aber daß er es durch Anweisung beträchtlicher Summen stets ehrlich zurückgezahlt hat. Kurz, es macht den Eindruck, als ob der Bruder Dubosc durch das Darlehnsgesuch des Grafen von Welldone verblüfft worden ist und in diesem Augenblick alles in falschem Licht gesehen hat.
Andrerseits ist der Brief des Grafen Welldone nicht anders, als man von einem Kenner des T[462] erwarten kann. Ich sehe daher nicht die mindeste Gefahr darin, daß Sie seine Bekanntschaft machen, zumal wenn Sie, wie ich überzeugt bin, nichts verlangen, was mit der Moral und mit dem Berufe[463], zu dem er sich in seinem Briefe bekennt, nicht völlig im Einklang steht, und wenn Sie die Anknüpfung besonderer Beziehungen bis zu dem Zeitpunkt hinausschieben werden, den er Ihnen angibt und den die Guten zum Ruhm Gottes herbeiwünschen.
Frölich[464] an Prinz Friedrich August