Görlitz, 28. März 1777.
Von Saint-Germain werden Ihro Durchlaucht in der Maurerei keine Aufschlüsse bekommen. Dieser Mann ist in Leipzig eine geraume Zeit unter dem Namen Sieur Welldone gewesen. Ich habe bei Dubosc mit ihm gegessen. Ich kenne ihn sehr speziell. Dieser Sieur Welldone ist kein Maurer; er ist auch kein Magus, auch kein Theosoph. Seine Rolle wird in Leipzig traurig ablaufen, wenn er nicht einen gutherzigen Freund kürzlich gefunden, der ihm Geld vorschießt. Ich melde solches Ihrer Durchlaucht als Maurer, damit (er), wenn er nach Berlin kommt, sich nicht auf eben diese Weise zu remboursieren sucht.
Dubosc an Prinz Friedrich August
Leipzig, 2. April 1777.
Da Eure Hoheit anscheinend Interesse an dem angeblichen Grafen Saint-Germain nehmen und ihn sogar mit der Einladung nach Berlin beehrt haben, halte ich mich für verpflichtet, Eurer Hoheit zu berichten, was nach und nach über die Vorgeschichte dieses rätselhaften Mannes zutage kommt. Wie man sagt, ist er in Frankreich geboren, von niederer Herkunft und soll ein Handwerk gelernt haben. Folgendes weiß ich aber positiv von einem meiner Freunde, einem verdienstvollen Mann, einem Schweizer Offizier, Namens Hotz, der als Oberstleutnant in der Garde des russischen Großfürsten steht[465] und zur Zeit in Familienangelegenheiten hier weilt. Wie er mir versichert, hat er unseren Saint-Germain unterwegs in Rußland getroffen, wie er traurig zu Fuß des Weges zog. Wegen eines Fußschadens schleppte er sich nur mühsam weiter. Voll Mitleid ließ ihn der Offizier in seinen Wagen steigen. Er muß in Moskau oder Umgegend ein Fabrikunternehmen gehabt haben, das aber nicht gehen wollte. Er hatte das Glück, den Grafen Orlow[466] kennen zu lernen, mit dem er eine Weile chemische Versuche anstellte, aber schließlich hatte der Graf diese fruchtlose und kostspielige Arbeit satt und entließ ihn. Von den Wohltaten dieses Herrn hat er lange Zeit sein Leben gefristet. Seitdem hat er sich in mehreren Gegenden Deutschlands herumgetrieben, wie die Schulden beweisen, die er namentlich in der Gegend von Schwabach gemacht hat. Hier ging sogar ein von ihm ausgestellter und nicht bezahlter Wechselbrief eines Ansbacher Juden in Höhe von 20000 Gulden ein.
Gegenwärtig erfahre ich, daß er den Brief Eurer Hoheit[467] überall herumzeigt und zum Lesen gibt. Er erzählt jedermann, man bestürme ihn allerorten, zu kommen und der Welt seine erhabenen Kenntnisse nicht vorzuenthalten. So spielt er einen gegen den anderen aus. Verzeihen Eure Hoheit, daß ich solche Geschichten berichte. Aber sie tragen dazu bei, den Betrüger zu entlarven. Ich wollte schließen, vergaß aber noch eine bezeichnende Anekdote. Gestern war ich in einem Hause, in dem ein Ring gezeigt wurde, den er einem seiner hiesigen Beschützer geschenkt hat. Es war ein ziemlich großer gelber Stein, der Feuer besaß. Als er ihn verschenkte, betonte er, daß es ein gelber Diamant sei, und schätzte ihn auf mindestens 1000 Taler. Ein anwesender Juwelier und großer Kenner prüfte den Ring und sagte: „Ei gewiß, dieser Stein kann wohl acht Groschen wert sein.“ Das scheint mir ein recht charakteristischer Zug für ihn.
Bischoffwerder an Prinz Friedrich August
5. April 1777.
Alles, was ich bezüglich des Grafen Welldone hinzufügen kann, ist, daß er nicht P[rior] Cler[icorum] ist, und daß ich Ihnen trotz der Beweise seines Wissens nicht anraten möchte, ihm Briefe zu schreiben, die nicht öffentlich gezeigt werden können. Eine kurze Unterredung mit den Maurern, die ich in Leipzig antreffen werde, soll dies Geheimnis lichten.
Dubosc an Prinz Friedrich August