„Bei Gott!“ rief der Herr laut und barsch, „ich weiß, woher das kommt! Ich kannte den alten Kardinal de Créquy[106]. Ich habe ihn während der ersten Tagung des Konzils von Trient[107] oft gesehen. Er redete da nichts als dummes Zeug. Ich kann Ihnen versichern, daß er völlig überspannt war. Damals war er Bischof von Rennes.“
Ich erriet, daß ich Herrn von Saint-Germain vor mir hatte, dessen Aufschneidereien und die Geschichten, die man davon erzählte, mich stets geärgert hatten. Ich wandte mich mit offener, harmloser Miene an ihn und sagte:
„Sie meinen wohl: Bischof von Nantes?“
„Nein, Madame, Bischof von Rennes, Rennes in der Bretagne. Ich weiß sehr wohl, was ich sage und von wem ich rede!“
„Mein Herr,“ entgegnete ich etwas von oben herab und mit herausfordernder Lustigkeit, „Sie wissen offenbar nicht, mit wem Sie reden.“
„Madame!“ rief er mit Donnerstimme und warf mir wütende Blicke zu.
„Regen Sie sich doch nicht auf, mein Herr“, versetzte ich. „Und da Sie so vieles wissen, sagen Sie mir doch gütigst, wie ich heiße.“
„Unter anderem“, rief er im Ton eines Hierophanten, „tragen Sie einen Namen, dessen Wurzel kufisch, hebräisch und samaritanisch ist, einen gesegneten, sieghaften Namen, aber blutbedeckt, seines Glanzes beraubt und verderblich!“
„Ach!“ unterbrach ich ihn mit vorwurfsvoller, verletzter Miene, „ein durchaus kufischer und vor allem verderblicher Name! Dem werde ich gewiß nicht beistimmen!“
„Wie haben Sie nur erraten, daß sie Viktoria heißt?“ fragte ihn Frau von Urfé mit zärtlich bewunderndem Blick.