Nach dieser Zeremonie wurden sie in den Tempel zurückgeführt. Dort erklärte man ihnen, sie sollten zu den göttlichen Mysterien Zutritt erhalten, sobald die Wölbung von ihren Gelübden widerhallte. Ein Mann in langem, unter dem Arm gerafften Mantel ergriff das Wort und hielt diese Rede, die jeder Adept behalten muß, ohne sie niederschreiben zu dürfen:

„Wisset, das große Geheimnis unserer Kunst ist, die Menschen zu regieren, und das einzige Mittel ist, nie die Wahrheit zu sagen. Richtet euch nie nach den Regeln des gesunden Verstandes; sprecht der Vernunft Hohn und bringt tapfer den größten Blödsinn zutage. Wenn ihr fühlt, daß diese großen Grundsätze nachlassen, so zieht euch zurück, geht in euch und durchwandert die Welt. Da werdet ihr sehen, daß der größte Blödsinn Anbetung findet. Die Torheiten kehren unter verschiedenen Namen wieder, aber sie sind ewig. Das Grab des heiligen Medardus[119] hat den Schatten des heiligen Petrus ersetzt, Mesmers[120] Zauberkasten den Teich des nazarenischen Philosophen[121]. Gedenkt, daß die erste Triebfeder der Natur, der Staatskunst, der Gesellschaft die Fortzeugung ist, daß das Hirngespinst der Sterblichen die Unsterblichkeit und die Kenntnis der Zukunft ist, selbst wenn sie die Gegenwart nicht kennen, daß sie Geist sein wollen, wo doch sie selbst und alles, was sie umgibt, Stoff ist.“

Nach dieser Ansprache verneigte sich der Redner vor dem Gott der Gläubigen und verschwand. Dann traten zwei junge Mädchen vor und entkleideten den Grafen, während drei junge Männer bei der Marquise die gleiche Zeremonie erfüllten. Als sie im Naturzustand waren, sprach die schon vernommene Stimme: „Nun wird dem einen die kostbare Gabe der Kraft und der anderen die noch köstlichere der Schönheit verliehen.“

Im selben Augenblick packte der sieben Fuß große Mann die Marquise an einem Beine, gebot ihr, ihre Hand auf seine Nase zu legen, und trug sie vor den Gott der Gläubigen. Der bedeckte ihren schönen Leib mit Wohlgerüchen und salbte ihr mit rosenfarbenem Öl die Partie zwischen den Lippen, die Rosenknospen ihres Busens, den Nabel und die Schenkel. Dann flüsterte er ihr etwas ins Ohr, und der sieben Fuß große Mann trug sie in eine anstoßende Kapelle.

„Hier werdet Ihr die Weihe vollenden,“ sprach er, „und unsere heiligen Mysterien mit dem großen Werk der Natur krönen. Indes stehen Euch die Mittel frei, und sofern unser beider Wesen sich verschmelzen und Zuflucht in dieser Kapelle finden kann, braucht Ihr Euch nicht den gewöhnlichen Formen zu unterwerfen.“

De l’Ami des Humains reconnoisses les traits,

Tous ses jours sont marqués de nouveaux bienfaits,

Il prolonge la Vie, il secourt l’indigence,

Le plaisir d’être utile est seul la récompense.