Herr von Bentinck ist hier ebenso allmächtig wie in England, ein großer Staatsmann und vollendeter Ehrenmann. Er ist mir gegenüber völlig offen. Aus der Fülle meines Herzens sprach ich ihm von der reizenden Marquise von Pompadour. Meine Gefühle gegen Sie, gnädige Frau, sind Ihnen längst bekannt und gewiß der Herzensgüte und Seelenschönheit wert, die diese Gefühle erweckten. Er war so begeistert davon, daß er ganz bezaubert ist; mit einem Wort, Sie können sich auf ihn verlassen wie auf mich.

Ich glaube mit gutem Grunde, daß der König angesichts seiner Macht, seiner Aufrichtigkeit und Redlichkeit große Dienste von ihm erwarten kann. Wenn der König glaubt, daß meine Beziehungen zu ihm irgendwie von Nutzen sein können, so will ich mich aufs äußerste bemühen, ihm zu dienen. Meine freiwillige, selbstlose Hingebung an seine heilige Person muß ihm ja bekannt sein. Sie kennen die Treue, die ich Ihnen geschworen habe, gnädige Frau: befehlen Sie, und ich gehorche. Sie können Europa ohne die Verdrießlichkeiten und Schwierigkeiten eines Kongresses den Frieden geben. Ihre Befehle werden mir völlig sicher zukommen, wenn Sie sie an den Grafen van Rhoon im Haag senden oder, wenn Sie es für besser halten, an die Herren Thomas und Adrian Hope[185], bei denen ich in Amsterdam wohne. Was ich Ihnen zu schreiben habe, erscheint mir so bedeutsam, daß ich mir schwere Vorwürfe machen müßte, gnädige Frau, wenn ich es Ihnen verschweigen wollte, da ich nie etwas verborgen habe noch verbergen werde. Wenn Sie keine Zeit haben, mir selbst zu antworten, so bitte ich Sie, es durch eine sichere, vertrauenswürdige Person zu tun. Aber verlieren Sie keinen Augenblick; ich beschwöre Sie bei aller Liebe und Zuneigung für den besten und würdigsten aller Könige.

Graf d’Affry an Choiseul

Haag, 14. März 1760.

Ich habe den Plan gesehen, von dem Herr von Saint-Germain mir gesprochen hatte. Ich habe ihn an ihn zurückgesandt und werde ihm bei nächster Gelegenheit sagen, daß derartige Geschäfte mit meinem Amte nichts zu tun haben. Ich könnte mich ohne Auftrag nicht damit befassen und wünschte selbst, Kredite für die Staatsfinanzen in Amsterdam oder in anderen holländischen Städten zu finden ...

Wie Herr von Saint-Germain mir sagte, hat Herr Bentinck van Rhoon sich über meine Zurückhaltung bei ihm beschwert; ich spräche mit ihm nie von Geschäftssachen. Wie er hinzusetzte, hat Herr Bentinck ihm versichert, niemand sei weniger englisch gesinnt als er; er sei ein guter Patriot und mehr Franzose, als ich glaubte. Ich antwortete Herrn von Saint-Germain mit allgemeinen Wendungen, ließ aber durchblicken, daß ich es seltsam fände, daß Herr Bentinck ihm diesen Auftrag gegeben hätte, und noch seltsamer, daß er ihn übernommen hätte. Ich halte mich für verpflichtet, Ihnen alles mitzuteilen, was zwischen diesem Manne und mir stattgefunden hat.

Choiseul an Graf d’Affry

Versailles, 19. März 1760.

Ich sende Ihnen einen Brief des Herrn von Saint-Germain an die Marquise von Pompadour[186], der die unglaubliche Art dieses Mannes hinreichend beweist. Er ist ein Abenteurer ersten Ranges und zudem, soweit ich sehen kann, sehr töricht. Ich bitte Sie, ihn sofort nach Empfang meines Briefes zu sich kommen zu lassen und ihm zu sagen, ich wisse zwar nicht, wie man im Finanzdepartement über ihn dächte, gäbe Ihnen aber den Befehl, ihm zu eröffnen: sobald ich erführe, daß er sich irgendwie im Großen oder im Kleinen in die Politik einzumischen wage, so könne er sich darauf verlassen, ich würde beim König den Befehl erwirken, ihn bei seiner Rückkehr nach Frankreich für den Rest seiner Tage in einem Kerkerloch einzusperren. Sie wollen hinzusetzen, er möge ganz sicher sein, daß diese meine Absichten ebenso ernst sind, wie daß sie bestimmt ausgeführt werden, falls er mir Anlaß gibt, mein Wort zu halten.

Nach dieser Erklärung werden Sie ihn auffordern, nie wieder einen Fuß in Ihr Haus zu setzen, und Sie werden gut daran tun, allen fremden Gesandten sowie den Amsterdamer Bankiers das Kompliment bekanntzugeben, das Sie diesem unausstehlichen Abenteurer in meinem Auftrage gemacht haben.