Der König, der Dauphin, Frau von Pompadour, der ganze Hof und das gesamte Volk, mit Ausnahme Choiseuls und Berryers[231], wünschen Frieden mit England. Sie könnten nicht anders, da die innere Lage es fordere. Die wahre Gesinnung Englands ist ihnen unbekannt, und sie wünschen mit Anstand aus der Sache herauszukommen. Herr d’Affry ist nicht eingeweiht, und der Herzog von Choiseul ist so österreichisch gesinnt, daß er nicht alles ausplaudern wird; aber das hat nichts zu bedeuten, denn er wird hinausgesetzt werden. Frau von Pompadour ist nicht für den Wiener Hof, aber sie ist unentschlossen, weil sie nicht weiß, auf wen sie sich verlassen kann. Sie wird aber entschlossen werden, sobald sie des Friedens gewiß ist. Der Marschall von Belle-Isle hat mit Wissen des Königs von Frankreich den Grafen Saint-Germain als Fühler vorgeschoben. Auf Spanien rechnet man nicht und macht sich in dieser Hinsicht keine Hoffnungen[232], obgleich der Herzog von Choiseul sich bemüht, diesen Glauben zu erwecken. Das und vieles andere brachte der politische Abenteurer vor.

Ich schwankte sehr, ob ich ihm gegenüber auf die Sache eingehen sollte; da ich aber von der Richtigkeit seiner Sendung überzeugt war, glaube ich keine Mißbilligung zu finden, wenn ich in allgemeinen Wendungen antwortete. Ich sagte ihm also, der König wünsche ernstlich den Frieden, und daran sei kein Zweifel möglich, da er ja inmitten seiner Erfolge, die seitdem noch beträchtlich zugenommen hätten, die Hand zum Frieden geboten habe. Mit unseren Verbündeten[233] sei die Sache leicht, aber ohne sie unmöglich, und Frankreich kenne unsere Lage zu gut, um sie erst von mir erfahren zu müssen. Auf Einzelheiten könne man jedoch erst eingehen, wenn wir vom ernstlichen Friedenswunsch der Gegner überzeugt seien; zudem sei ich nicht eingeweiht. Ich ging dann auf Frankreichs Abhängigkeit von den beiden Kaiserinnen[234] und auf die unangenehmen Aussichten ein, die sich für Frankreich böten, selbst wenn der König von Preußen Unglück hätte. Aber ich hütete mich wohl, über die allgemeinsten, wenn auch durchaus positiven Versicherungen hinauszugehen, daß Seine Majestät die Wiederherstellung des Friedens wünsche.

Als das Gespräch lebhafter wurde, fragte ich ihn, welcher Verlust für Frankreich am empfindlichsten gewesen sei? Ob es Kanada[235] wäre?

„Nein,“ sagte er, „denn wir wissen, daß es uns 36 Millionen gekostet hat, ohne uns etwas einzubringen.“

„Guadalupe?“

„Deswegen wird der Frieden nicht scheitern, denn wir haben auch ohne diese Insel Zucker genug.“

„Ostindien?“

„Das ist der empfindliche Punkt, denn es hängt mit unserer Finanzlage zusammen.“

Ich fragte ihn, was man von Dünkirchen dächte.

„Man wird es ohne Schwierigkeit schleifen; darauf können Sie sich verlassen.“