Nun fragte er mich, was wir von Minorka dächten.
Ich entgegnete ihm, wir hätten es vergessen, wenigstens spräche niemand mehr davon.
„Das“, sagte er, „habe ich ihnen hundert und tausendmal gesagt. Auch die Kostenfrage brächte uns sehr in Verlegenheit.“
Das sind die Hauptpunkte einer dreistündigen Unterredung, über die ich ihm zu berichten versprach.
Er bat mich um Geheimhaltung und sagte, er ginge nach Amsterdam und Rotterdam, bis er erführe, daß ich eine Antwort erhalten hätte. Ich habe ihn nicht ermutigt, darauf zu warten, aber auch nicht das Gegenteil getan.
Ich hoffe, Seine Majestät wird mein Benehmen nicht mißbilligen. Es ist in solchen Verhältnissen nicht leicht, das Rechte zu treffen, aber ich kann diese Verhandlungen ebenso leicht abbrechen, wie ich sie angeknüpft habe. Der König scheint ja dem Frieden eine Tür öffnen zu wollen, und Frankreich scheint ihn sehr nötig zu haben. Die Gelegenheit scheint günstig, aber bevor ich weiter gehe, erwarte ich Weisung. Ein allgemeiner Friedenskongreß scheint nicht nach Frankreichs Geschmack, und man scheint weiter gehen zu wollen, als man gesagt hat, aber es wäre Frankreich sehr angenehm, wenn man ihm irgendein Angebot machte; denn Seine Allerchristlichste Majestät und die Marquise sind etwas schwer von Entschluß.
Lord Holdernesse an Yorke
Whitehall, 21. März 1760.
Ich kann Ihnen zu meiner Freude mitteilen, daß Seine Majestät Ihr Verhalten bei der Unterredung mit dem Grafen Saint-Germain, die Sie durch Geheimbericht vom 14. melden, durchaus billigt. Insbesondere ist es dem König lieb, daß Sie so vorsichtig waren, nicht auf Einzelheiten einzugehen, bevor er die beiden Briefe des Marschalls von Belle-Isle vorzeigte, die, wie Sie richtig bemerken, eine Art Vollmacht waren. Da Sie ihm gegenüber nur in allgemeinen Wendungen und gemäß Ihren früheren Instruktionen gesprochen haben, würde es auch nichts schaden, wenn Ihre Worte öffentlich bekannt würden. Seine Majestät hält es für wahrscheinlich, daß der Graf Saint-Germain — vielleicht sogar mit Vorwissen des Königs von Frankreich — von einigen Mitgliedern des Staatsrats tatsächlich beauftragt war, so zu reden, und es ist einerlei, durch welche Mittelsperson man zum erwünschten Ziele kommt. Weiter aber dürfen die Unterhandlungen zwischen einem beglaubigten Gesandten Seiner Majestät und einer Persönlichkeit wie Saint-Germain, so wie dieser bisher auftritt, nicht gehen. Alles, was Sie sagen, ist offiziell, wogegen Saint-Germain kurzerhand verleugnet werden kann, wenn es dem französischen Hofe paßt. Deshalb ist sein Auftrag auch nicht nur dem französischen Gesandten im Haag unbekannt, sondern auch dem Minister des Auswärtigen in Versailles, der, wenn ihn auch das gleiche Los treffen kann, wie seinen Vorgänger, Kardinal von Bernis[236], doch der offizielle Minister ist.
Seine Majestät wünscht also, daß Sie dem Grafen Saint-Germain sagen sollen: in Beantwortung des Berichtes, den Sie mir über Ihre Unterredung mit ihm schrieben, hätten Sie Befehl erhalten, ihm zu sagen, Sie könnten mit ihm über so wichtige Dinge nur reden, wenn er einen authentischen Beweis dafür beibrächte, daß er tatsächlich mit Wissen und Wollen Seiner Allerchristlichsten Majestät handle. Zugleich aber können Sie hinzufügen, da der König stets geneigt sei, die Reinheit seiner Gesinnung und seinen ehrlichen Wunsch nach Vermeidung jedes weiteren Vergießens von Christenblut zu beweisen, sei er bereit, sich über die Friedensbedingungen auszulassen, wenn der französische Hof einen gehörig beglaubigten Unterhändler schickte. Dabei werde jedoch vorausgesetzt, daß, wenn beide Kronen sich über die Friedensbedingungen einigten, der französische Hof ausdrücklich und zuverlässig seine Zustimmung erklärte, daß die Verbündeten Seiner Majestät, insbesondere der König von Preußen, in das Abkommen einbegriffen werden. Ich brauche nicht hinzuzufügen, daß England sich auf keine Friedensunterhandlungen einläßt, in die Seine Majestät nicht als Kurfürst [von Hannover] eingeschlossen wird.