Das alles klingt sehr wahrscheinlich, aber der Erfolg muß sich erst noch zeigen. Inzwischen ist es klar, daß die französischen Minister gegeneinander arbeiten und somit verschiedene Systeme verfolgen. Welches den Sieg davontragen wird, hängt nicht von uns ab, aber es kann für den königlichen Dienst nicht nachteilig sein, daß die Gesinnung Seiner Majestät am französischen Hofe bekannt wird, einerlei durch welche Mittelsperson dies geschieht.

Daß d’Affry dem Grafen Saint-Germain noch Komplimente macht, nachdem er ihm den Befehl des Herzogs von Choiseul mitgeteilt hatte, ist ebenso ungewöhnlich wie das übrige, zumal er dessen Beziehungen zum Marschall von Belle-Isle sehr wohl kennt und den vom König ihm ausgestellten Paß gesehen hat.

Dies ganze Mysterium wird nach und nach aufgeklärt werden, und ich werde nicht verfehlen, Euer Lordschaft von allem zu unterrichten, was ich darüber erfahren kann. Ich ließ Saint-Germain wissen, daß er oder irgendeine andere gehörig beglaubigte Person England genehm sei. Was wir gegenwärtig einzuwenden hätten und was die ganze Sache zum Stillstand brächte, sei der Mangel einer richtigen, ausreichenden Vollmacht.

VI
Aus Hellens Korrespondenz mit Friedrich dem Großen[240]

Hellen an König Friedrich

Haag, 15. März 1760.

Hier ist soeben eine Person eingetroffen, die vielleicht weitgehende Aufträge hat. Es ist eine Art Abenteurer, ein Mann, dessen Vaterland unbekannt ist. Er durchstreift seit mehreren Jahren die Welt, tritt überall groß auf, spricht alle neueren Sprachen und nennt sich Graf Saint-Germain. Ich hatte bereits die Ehre, E. M. einen Immediatbericht darüber zu senden, wie weit dieser Mann es verstanden hat, sich beim Versailler Hofe beliebt zu machen[241]. Wie man mir versichert, hat ihm der König von Frankreich soeben das Schloß Chambord geschenkt. Er ist seit etwa 3 Wochen in Holland, mit einer Empfehlung an Herrn Hope[242], den reichsten Kaufmann in Amsterdam, bei dem er sogar vierzehn Tage gewohnt hat. Hier hat er Empfehlungen an die reichsten portugiesischen Juden. Wie behauptet wird, hat er den Auftrag, über 30 Millionen (Anleihe) für Frankreich zu verhandeln, aber ich neige zu der Ansicht, daß er andere Aufträge hat, und zwar ohne Wissen des Grafen d’Affry, der ihn zwar höflich behandelt, aber im Grunde sehr eifersüchtig auf ihn ist.

Gestern bat er um eine Unterredung mit dem General Yorke, die 2 Stunden gewährt hat. Das sagte mir dieser am Abend ins Ohr, mit dem Zusatz, er schiene beauftragt, ihn auszuforschen, und er würde mir bei anderer Gelegenheit mehr darüber sagen. Ich hoffe, mit der nächsten Post darüber berichten zu können[243].

Heute muß ich mich auf die Meldung beschränken, daß der Mann viel schwatzt, sich als Gegner Österreichs ausgiebt und Frankreich wegen seines Bündnisses mit Wien laut tadelt. Dagegen ist er ein großer Anhänger Eurer Majestät. Ich selbst hörte ihn neulich ganz laut in Gesellschaft und fast in nächster Nähe des Barons Reischach[244] sagen, Frankreich hätte sich sehr unklug benommen.

König Friedrich an Hellen