Freiberg, 22. März 1760.
Ich kann mir kaum vorstellen, daß der König von Frankreich einen Menschen, den man eigentlich nur als Abenteurer ansehen kann, mit einem so wichtigen Auftrag wie Friedensverhandlungen betraut. Sie werden daher gut tun, sich nicht auf den Anschein noch auf unbestimmte Gerüchte zu verlassen, sondern dem Mann scharf auf die Finger zu sehen. Es scheint mir wohl möglich, daß er den Auftrag hat, wegen einer Anleihe zu verhandeln, aber dreißig Millionen kommen mir doch etwas stark vor.
Freiberg, 23. März 1760.
Ihr Bericht vom 18. d. M.[245] ist mir richtig zugegangen. Sehr befriedigt hat mich Ihre genaue Wiedergabe der Unterredung zwischen Yorke und dem Grafen von Saint-Germain. Es giebt wohl nichts Seltsameres, aber sie ist sehr fesselnd.
(Hellen soll Yorke im Namen des Königs für die Mitteilung danken und ihm Verschwiegenheit zusichern.)
Indes habe ich meinem Gesandten in England einiges über diese Unterredung vertraulich mitgeteilt und ihn angewiesen, beim englischen Ministerium nach Kräften darauf zu dringen, daß es jetzt sobald wie möglich seine Weisungen dem General Yorke giebt, damit er genau weiß, welche Friedensbedingungen England für sich und seine Verbündeten Frankreich gegenüber stellt, und was es von seinen Eroberungen behalten oder den Franzosen zurückgeben will. Ist man erst soweit, dann lassen sich schnell bestimmte, klare und unzweideutige Präliminarartikel vereinbaren, die zur Herstellung des Friedens und als Grundlage für den allgemeinen Kongreß dienen können.
Hellen an König Friedrich
Haag, 29. März 1760.
(Hellen berichtet über die weitere Unterredung Yorkes mit Saint-Germain am 27. März, vgl. [S. 177 ff.])
Mittlerweile ist ein sonderbarer Zwischenfall eingetreten. Am vergangenen Sonntag (23. März) erhielt Graf d’Affry einen Kurier vom Herzog von Choiseul mit dem Befehl, den Grafen von Saint-Germain nicht mehr zu empfangen und den alliierten Gesandten[246] zu versichern, daß er keinerlei Auftrag hätte. Man wird ja bald sehen, ob Frankreich diesen Mann als Unterhändler benutzen oder ihn verleugnen und den Gesandten mit Unterhandlungen betrauen wird. Das letztere würde beweisen, daß der Staatssekretär und die österreichische Partei noch das Übergewicht haben.