König Friedrich an Knyphausen

Meißen, 10. Mai 1760.

Der Graf Saint-Germain sucht in England wohl nichts anderes als eine Zuflucht vor den Verfolgungen des Herzogs von Choiseul, mit dem und dessen Partei er, wie man deutlich sieht, völlig zerfallen ist.

Meißen, 19. Mai 1760.

Was Herr Pitt Ihnen über den Grafen Saint-Germain gesagt hat, leuchtet mir völlig ein. Bisher hat dieser nicht an mich geschrieben. Sollte er es noch tun, so will ich ihm Zuflucht in Emden oder besser in Aurich geben, falls er sich in nichts einmischt[264]. Ich fürchte nur, der seltsame Mann wird so unbesonnen sein, hierher zu kommen, ohne an mich zu schreiben und vorher um meine Erlaubnis zu bitten, wofür ich keine Verantwortung übernehme.

VIII
Aus Mitchells Korrespondenz

Mitchell[265] an Lord Holdernesse

Freiberg, 27. März 1760.

Der König von Preußen geruhte, mir Kenntnis von einem außergewöhnlichen Gespräch zu geben, das der Graf Saint-Germain am 14. im Haag mit General Yorke hatte[266]. Er bemerkte, obwohl der Mann und seine ganze Art höchst ungewöhnlich seien, hätte General Yorke doch Recht getan, Euer Lordschaft über den Vorfall unmittelbar zu berichten, daß nämlich der Graf mit diesem geheimen Auftrage sehr wahrscheinlich vom Marschall Belle-Isle ohne Kenntnis der übrigen französischen Minister betraut worden sei, da das Kabinett sehr geteilter Meinung ist. Er fragte mich, ob ich den Grafen Saint-Germain kenne, der, wie er gehört habe, eine Zeitlang in England gewesen sei[267]. Ich antwortete, ich hätte ihn dort gesehen, hätte aber nie geglaubt, daß er zum Unterhändler werden würde. Seine Preußische Majestät entgegnete, er hätte gehört, daß der Graf Mittel und Wege gefunden hätte, sich die Gunst des Königs von Frankreich zu verschaffen. Er hätte ihn mit einigen chemischen Versuchen unterhalten, und der König hätte ihm das Schloß Chambord geschenkt.

Freiberg, 20. April 1760.