Haag, 19. März 1760.

Ich schrieb Ihnen bereits von dem berühmten Saint-Germain, der gegenwärtig in Amsterdam bei Herrn Hope wohnt. Er hat Herrn Yorke in seinem Hause aufgesucht und ist drei Stunden bei ihm geblieben[301]. Er hat hier weder zu Herrn d’Affry geschickt noch sich an ihn gewandt, und doch hat er mir selbst erklärt, er sei mit einem wichtigen Auftrage betraut. Um jedoch die Wahrheit zu sagen, erscheint er mir zu anmaßlich und unvorsichtig, als daß man ihm glauben könnte, daß er ein allerhöchst beauftragter Unterhändler ist. Ich stelle ihn auf eine Stufe mit dem berüchtigten Macanas, den Euer Exzellenz hier 1747 kennen lernten, oder wenigstens mit dem Grafen Seckendorff, der im letzten Jahre herkam[302]. Ich müßte mich sehr in ihm täuschen, wenn er mit seinem Auftrag Erfolg hat. Unsere Holländer sind zu schwerfällig, um auf solche Schliche einzugehen. Immerhin zweifle ich nicht mehr, daß wichtige Unterhandlungen im Gange sind.

Graf Wackerbarth-Salmour[303] an Kauderbach

Dresden, 23. März 1760.

Ihre Königlichen und Kurfürstlichen Hoheiten lesen stets mit Vergnügen, was Sie mir schreiben. Sie haben das Bild, das Sie mir von Saint-Germain entwarfen, sehr fesselnd gefunden. Wir können es noch nicht bis ins einzelne deutlich erkennen. Aus der Ferne wirkt es schön, aber man muß es sich näher daraufhin ansehen, ob alle seine Züge übereinstimmen und zutreffen, woran ich stark zweifle. Vor 50 Jahren lernte ich den berüchtigten Huldashop kennen und verkehrte mit ihm. Er behauptete, über 80 Jahre alt zu sein. In Danzig heiratete er 25 bis 30 Jahre später eine Prinzessin von Holstein, die ihn nach den öffentlichen Nachrichten kurz darauf ermorden ließ, um sich in Besitz seiner Forschungen und Geheimmittel zu bringen[304]. Ich kannte einen Mann, den man als Mitschuldigen an diesem Mord in Verdacht hatte; er hat durch seinen Reichtum eine große Rolle gespielt und großes Aufsehen erregt. Derartige Wundermänner blenden eine Zeit lang; man verliert sie aus dem Gesicht, wenn man es am wenigsten glaubt.

Der Opal, dessen Maße Sie mir schickten, scheint mir nicht so außerordentlich. Ich besitze einen orientalischen von fast gleicher Größe, und der König hat viel ansehnlichere in seinem Schatze. Wie Sie wissen, sind farbige Steine, so schön und hart sie scheinen mögen, stets mit Vorsicht zu genießen. Bei den Diamanten handelt es sich darum: besitzt er viele? sind sie groß und von tadellosem Wasser?

Seine politischen Erörterungen bedürfen m. E. gründlicher Beweise und Darlegungen.

Am meisten zu seinen Gunsten scheint mir zu sprechen, daß ihm der König von Frankreich in seiner Huld das Schloß Chambord geschenkt hat; denn ein so bedeutendes Lehen kann er nur infolge von hervorragenden Leistungen im Dienste der Krone erhalten haben.

Kauderbach an Graf Wackerbarth-Salmour

Haag, 4. April 1760.