Wenn ich auch in meiner Antwort auf Ihren ersten Bericht[368] über Ihre Unternehmungen, der, wie ich jetzt sehe, etwas spät[367] kam, Ihnen nicht unumwunden sagen wollte noch konnte, daß Ihre Begeisterung Ihnen den klaren Blick für die Dinge trüben könne, so gab ich es Ihnen doch — Sie werden sich dessen entsinnen — ziemlich deutlich zu verstehen durch meine Abneigung, den von Ihnen berichteten Tatsachen Glauben zu schenken. Ich gebrauchte den Ausdruck: Gegen Tatsachen lasse sich nichts einwenden als das eine, ob man sie richtig gesehen habe. Zu diesen Zweifeln fügte ich vorsichtshalber die Warnung, die Interessen Ihrer Majestät nicht aufs Spiel zu setzen[369].

Diese Vorsicht war durchaus nötig. Sie schrieben mir damals: „Ich habe Vorschüsse in sehr geringem Betrage[369] durch Frau Nettine geben lassen.“ Heute übersteigt dieser sehr geringe Betrag[369] bereits 190000 Gulden[370]!

Das Bild, das ich Ihnen zugleich von diesem berühmten Abenteurer oder Gauner gab — denn schließlich ist ein Betrüger nichts anderes — blieb offenbar eindruckslos; denn Sie mögen geglaubt haben, das Rätsel zu lösen, wie man seine Talente nutzbar machte, ohne seine Betrügereien fürchten zu müssen. War doch Ihre stete Antwort auf meine Warnungen: „Was kümmern uns seine Fehler, wenn wir nur seine Geheimmittel haben!“

Indessen war Ihre Majestät bei meinem Bericht über Ihren Brief und über meine Antwort anderer Meinung. Der Schluß meines Berichtes lautete:

„Damit habe ich ihre großen Pläne weder verworfen noch gebilligt. Möglicherweise befinden sich unter der großen Zahl von Geheimmitteln, deren Ausbeutung so glänzende Erfolge verspricht, auch ein paar recht brauchbare. Möglicherweise löst sich aber auch alles in Dunst auf. Auf jeden Fall wäre es angezeigt, wenn Eure Majestät den Inhalt meines Berichtes geheim halten wollten; denn im ersteren Falle würde Saint-Germain zu sehr eine Entlarvung fürchten, und im zweiten Falle müßte man die Schwachheit der Regierung, die sich von einem Schwindler anführen ließ, mit einem Schleier zudecken[371].“

Das war mein Standpunkt im ganzen Verlauf unseres Schriftwechsels. Obwohl er auf Sie scheinbar keinen Eindruck gemacht hat, habe ich Ihnen lediglich aus Rücksicht und Freundschaft nicht mitgeteilt, welches die Worte Ihrer Majestät über meinen Bericht waren. Ich teile sie Ihnen hierdurch im größten Vertrauen mit:

„Ich bin völlig überzeugt, daß das von Ihnen entworfene Bild mehr zutrifft als das Cobenzl’sche, und daß diese Torheit geheim gehalten werden muß. Ich wünschte, der Minister wäre von ihr geheilt[372].“

Die Torheit ist also begangen, und die arme Frau Nettine, die ich von Herzen bedauere, schwebt in großer Gefahr, die ganze Zeche zu bezahlen. Wie ist es möglich, daß sie diesem Elenden auf seine schönen Augen hin 81720 Gulden vorschießen konnte? Wie konnten Sie Ihrerseits zusehen, daß er 12280 Gulden bloß für Reisen und Verpflegung vertan hat[373]? Wie konnte man sich abgesehen von alledem auf eine Ausgabe von 99935 Gulden[374] einlassen, ohne daß bisher für einen Pfennig Betriebsmittel oder Rohstoffe für Ihre Fabriken angeschafft sind, ja ohne von dem Betrüger die Geheimnisse erfahren zu haben, die scheinbar noch am meisten versprechen? Sie sind seiner sicher, sagen Sie. Jawohl, so sicher, daß ich mich nicht wundern würde, wenn er mit allem, um was er Sie geprellt hat, eines schönen Morgens das Weite suchte und Sie mit all Ihren Reichtümern und Ihren vier- bis fünfhundertprozentigen Gewinnen sitzen ließe!

Doch nach allem, was ich Ihnen darüber schon geschrieben habe, ist jede weitere Aussprache zwecklos. Ihre Berechnungen kommen mir vor wie die eines Handwerkers, der sich sagt: „Ein Gehilfe bringt mir täglich ¼ Gulden ein; ich will also 400 annehmen; das macht 100 Gulden pro Tag“. Aber wird man ihm auch soviel Arbeit liefern, daß er vierhundert Gehilfen beschäftigen kann? Werden Sie soviel Absatz für Ihre ganz gewöhnlichen gefärbten Stoffe finden, daß Sie dabei oft Ihre 4-500 Prozent verdienen, daß Sie auch nur die bisherigen Unkosten decken? Hat man den Bedarf an gefärbten Stoffen im Inland berechnet? Denn an das Ausland ist nicht zu denken, weder an England noch an Frankreich, Holland, Italien, Deutschland usw.

Aber sei dem, wie ihm wolle, ich werde Ihrer Majestät über alles genauen Bericht erstatten und dabei zu folgenden Schlußfolgerungen kommen: