Therese beruhigte sie, daß man Hilfe finden würde, niemand mute ihr zu, den schweren Schrank eigenhändig ins andere Zimmer zu tragen.
"Und wenn die Frieda uns nun sitzen läßt", jammerte die Tante weiter.
"Was soll ich anfangen. Alle Hände voll zu thun, und keine Hilfe."
"Warum sollte Fräulein Frieda nicht kommen, liebe Tante?" tröstete die
Kranke. "Du machst Dir viel zu viel unnötige Sorgen."
"Du hast gut sprechen", eiferte die Wittfoth. "Du liegst ruhig im Bett. Aber ich soll man alles allein fertig bringen. Die Küche sieht schon aus, daß ich mir die Augen aus'n Kopf schäme. Kein Stück ist rein."
Therese schwieg. Sie wußte, daß in solchen Stunden mit der umständlichen
Frau nicht zu reden war.
Natürlich ging alles besser, als Frau Caroline gedacht hatte. Vater
Beuthien erwies sich beim Umsetzen der Möbel als treuer Bräutigam und
Helfer in der Not, und auch Fräulein Frieda traf rechtzeitig ein, eine
kleine schwarzäugige, bleichsüchtige Brünette, mit Anlagen zur
Korpulenz.
Hermann, der sich zu erkundigen kam, wie das Familienfest den beiden Damen bekommen sei, erschrak, Therese bettlägerig zu finden. Er kam in der Folge öfter, und sie ließ es zuletzt zu, daß er vor ihrem Bett saß.
Sie befand sich nie besser, war nie hoffnungsfreudiger, als wenn er bei ihr war. Sie sprach mit Zuversicht von ihrer baldigen Genesung, und er unterstützte sie in diesem Glauben, obgleich er sehr besorgt war. Er sah sie abmagern, sah die kleinen roten Punkte auf den Wangen sich zu Flecken vergrößern.
Er hatte heimlich mit dem Arzt gesprochen, und der hatte ihm wenig Hoffnung gemacht. Die Schwindsucht, die bisher im Verborgenen geschlichen, wäre heftig zum Ausbruch gekommen, und es würde wohl schnell zu Ende gehen.
Hermann hatte der Tante nichts von seiner Unterredung mit dem Arzt gesagt, da er sie genügend kannte, um zu wissen, daß sie sich unverständigen, die Kranke schädigenden Gefühlsausbrüchen hingeben würde.