Wer sagte ihr, daß Anna die einzige sei? Und mit diesem Menschen sollte sie zeit ihres Lebens verbunden sein.

Ihr schauderte. Ihre Neigung zu Beuthien war in den Qualen der letzten
Tage untergegangen. Nun empfand sie Ekel vor ihm.

Alle seine Fehler, seine Roheiten drängten sich plötzlich in ihr Bewußtsein. An diesen ungebildeten, brutalen Menschen hatte sie sich verloren.

Sie kam sich wie besudelt vor.

Sie konnte von ihrem Zimmer aus in die Küche der Nachbarhäuser sehen.

Jene Köchin mit den dicken, roten Armen, die eben mit plumper Geschäftigkeit auf dem Fensterbrett den Mörser handhabte, wie oft mochte sie in seinen Armen gelegen haben.

Und dort oben, in der dritten Etage, die kleine frech ausschauende Person, und da unten in Parterre die lange rothaarige, hat er sie nicht vielleicht alle schon mit seinen Zärtlichkeiten bedacht?

Es war ihr, als sähen alle zu ihr herüber, in ihr Fenster hinein, höhnisch, vertraut: Wir gehören zusammen, Fräulein.

Sicher sprach man jetzt überall von ihrer Schande. Würde Anna schweigen,
Anna, die sicher noch ihren alten Haß hegte?

Welcher Einfall von dem Vater, sie von dieser Person frei zu kaufen.
Hieß das nicht, die Sache erst recht unter die Leute bringen?