Meine Schwiegertochter Lulu.

Der Wittfoth "lachte das Herz im Leibe" bei diesem Gedanken. Vielleicht nannte Lulu sie gar Mama.

"Es ist doch ein furchtbar leichtsinniges Ding, die Lulu", sagte sie zu Therese. "Und Wilhelm ist ebenso. Aber es ist ja nun man 'n Glück, daß noch alles so gut abläuft."

Therese nahm wenig Teil an dieser Affaire. Ihre immer mehr abnehmenden Kräfte bedurften der Schonung. Ihre Gedanken weilten ganz wo anders, als bei diesen kleinen Erdendingen. Seit einigen Tagen wußte sie, daß sie sterben würde. Sie hatte sich im Traum im Sarg liegen sehen und sah wiederholt an der Zimmerdecke Mäuse.

Das bedeutete den nahen Tod.

Therese wollte sonst nicht für abergläubisch gelten. Kartenlegen, Besprechen und anderen Altweiberunsinn belächelte und verspottete sie. Aber alles, was mit dem Tode zusammenhing, hatte ihr von je her ehrfurchtsvollen Schauder abgenötigt. So weit erstreckte sich ihre Aufklärung nicht. Daß der Tod entfernter Personen sich oftmals ankündigt, durch Herabfallen von Bildern, Stillstehen von Uhren, geheimnisvolles Rufen, galt ihr durch mehr als ein Vorkommnis für erwiesen.

Die Tante, der sie ihren Traum erzählte, hatte erst ein ganz bestürztes Gesicht gemacht und dann laut gelacht und ihr eifrig den "Unsinn" auszureden gesucht. Als ob Tante Caroline nicht ebenso steif und fest an dergleichen Vorbedeutungen glaubte.

Hermann gegenüber hatte Therese Scheu, davon zu reden. Aber einmal, gesprächsweise machte sie doch Andeutungen.

"Unsinn", sagte er, ganz wie die Tante. Dann ergriff er ihre Hand, streichelte sie sanft und sagte bestimmt: "Du wirst noch wieder fix und gesund, Resi."

Als sie ungläubig den Kopf schüttelte, sagte er wiederholt "Unsinn,
Unsinn", stand auf und sah lange zum Fenster hinaus.