Frau Caroline erschien, verweint, mit geröteter Nase, das Taschentuch in der Hand.

"Meine Nichte ist heute Morgen gestorben", erzählte sie auf den fragenden Blick der Käuferin. "Da hab ich ja gar keine Ahnung von gehabt. Und wie hab ich sie gepflegt, als mein Kind. Aber gegen Gottes Willen kann man ja woll nicht an. Und dabei alle Hände voll zu thun. Ich weiß auch gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht."

"Ja," sagte die Frau, die geduldig alles angehört hatte. "Mit so'n
Krankheit is dat ne egene Sak. Na, ik kam mal wedder lang."

"Dohn Se dat", bat Frau Caroline. "Ik sögg Se den Unnerrock rut."

XXVII.

Zwei Tage später hielten zwei Leichenwagen an der Ecke des
Durchschnitts, einer erster Klasse, der andere dritter.

Auf dem letzteren stand bereits ein schlichter Sarg, auf dessen Deckel vier Kränze nebeneinander befestigt waren. Die Morgensonne streute ihre goldenen Lichter darauf. Eine sorgliche Hand hatte die Kränze frisch besprengt, und die zitternden Tropfen lagen wie blitzende Diamanten auf den Blättern der weisen Rosen, den kleinen kugeligen Immortellenblüten und dem dunklen Grün der Kranzgewinde.

Zwei Droschken bildeten das ganze Gefolge.

Die erste bestieg Frau Wittfoth in tiefer Trauer, mit verweinten Augen, das Taschentuch aus feinstem Kammertuch, den Stolz ihres Wäscheschatzes, in der Hand.

Nachdem sie alles Nebensächliche, was bei ihr immer in erster Reihe zu kommen pflegte, überwunden hatte, die Störung ihres Hauswesens, die Beeinträchtigung des Geschäftes, die Wahl eines Trauerkostümes, ob Crépe oder Cachemir, und dergleichen Gedanken, war auch der wahre, aufrichtige Schmerz bei ihr zum Durchbruch gekommen.