War ihm die Nachricht von Theresens Tod ja auch nicht unerwartet gekommen, so hatte sie ihn doch tief erschüttert. Er hatte alle seine freie Zeit der Tante zur Verfügung gestellt und ihr alle Vorbereitungen und Anordnungen zur Beerdigung abgenommen.

Tief ergriff ihn am Morgen des Trauertages die zufällige Entdeckung, daß er dem Herzen der Verstorbenen näher gestanden haben mochte, als sie ihn hatte merken lassen.

Am Fenster sitzend, auf Theresens gewohntem Platz, sah er in ihrem Nähkörbchen sein Bild liegen, eine Photographie in Visitenkartenformat, ein Geschenk, das er ihr ungefähr vor einem Jahre gemacht hatte.

"Ich fand's unter ihrem Kopfkissen", erklärte die Tante. "Und noch etwas für Dich", fuhr sie fort in einem Auszug kramend. "Hier, Du solltest es zum Geburtstag haben."

Es war jene angefangene Handarbeit, das veilchenumkränzte Monogramm
Hermanns.

Gerührt barg er beides, Bild und Handarbeit, sogleich in seiner Brusttasche, da seine Zeit ihm nicht erlaubte, nach dem Begräbnis noch in die Wohnung der Tante zurückzukehren.

Als sich der kleine Trauerzug in Bewegung setzte, trug man gerade aus dem Behnschen Hause den reichgeschmückten Sarg hinaus.

Ein durchdringender Geruch von Tubarosen und Coniferen überströmte die
Straße, deren Trottoire von einer dichten Menge Zuschauer besetzt waren.

In langer Reihe hielten die Folgewagen fast die halbe Straße hinauf.

Nur wenige, flüchtige Blicke folgten dem einfachen Trauerzug Theresens.
Die Neugierde konzentrierte sich auf das vornehme Begräbnis.