Eine dumpfe Teilnahme machte sich unter den Zuschauern bemerkbar. Man besprach halblaut den traurigen Fall. Unkundige wurden mit wichtiger Miene belehrt und blieben gleichfalls stehen.
Ein geheimnisvoller Bann ging von Lulus hohem, blumenüberhäuftem Sarg aus, der Zauber des Gräßlichen, der Reiz des Unglücks umstrickte die Seelen.
Der Wind warf den Staub unter die Menge, über den Sarg, über die Kränze, trieb mit dem schwarzen Bahrtuch sein Spiel und bauschte die tief herabhängenden Trauermäntel der Pferde wie Segel auf.
Die zwölf Träger, in ihren althergebrachten Pompgewändern, mit weißer Halskrause, Federbarett und Galanteriedegen, ordneten sich. Der Kutscher, neben den Pferden gehend, ergriff die Zügel, und der Trauermarschall, den lang herabwallenden Flor über den linken Arm tragend, trat an die Spitze des Zuges, der sich langsam in Bewegung setzte.
Aber kaum hatte der Leichenwagen den Durchschnitt verlassen, als eine plötzliche Verkehrsstörung wieder zum Halten zwang.
Zwischen dem ersten, kleineren Trauerzug und einem beladenen Bierwagen hatte ein leichtes Cabriolet in schnellem Trab vorbeizukommen gesucht.
Das Ungeschick des fahrenden Herrn, oder ein unglücklicher Zufall, ließ das leichte Gefährt mit dem schweren Lastwagen zusammenstoßen. Das zierlich gebaute Luxuspferd war von dem heftigen Anprall zu Boden gerissen worden, der Wagen querte den Weg, und der verzweifelte Lenker stand in größter Verlegenheit bei dem gestürzten Fuchs, der wild ausschlagend, alle Bemühungen, ihn aufzurichten, vereitelte.
Daneben stand, blaß, zitternd vor Schreck, eine junge Dame, die in der
Angst den kühnen Sprung von ihrem gefährlichen Wagensitz gewagt hatte.
Hermann hatte aus seinem Coupé heraus einen Augenblick Mimi zu erkennen vermeint.
Schnell zog er sich in den schützenden Versteck des tiefen Fonds zurück.
Keine Erinnerung hätte ihm heute peinlicher sein können als diese. Sie
brachte einen schmerzlichen Aufruhr in seine ernste, wehmütige Stimmung.
Die Augen schließend, träumte er in der langsam über das stoßende
Pflaster holpernden Droschke von jenem Frühlingsabendgang zwischen den
Weißdornhecken, von dem ersten Walzer und den ersten Küssen.