"Da liegt der Hund begraben", meinte Mimi, als sie mit Hermann an dem
Tisch vorüber ging, wo die Drei sich gütlich thaten.
"Sollte sie wirklich?" fragte Hermann. "Eine Verabredung?"
"Gewiß", versicherte Mimi. "Die ist nicht so fromm, als sie aussieht.
Ich kenne meine Pappenheimer."
Im Grunde kannte sie ihre Pappenheimer nur sehr oberflächlich und war nicht weniger als Hermann erstaunt, Lulu Behn mit dem jungen Droschkenkutscher in solcher Intimität auf dem Tanzboden zu treffen, denn die Jugendbekanntschaft der beiden war ihr fremd. Mimi, neben Lulu die "vornehmste" Erscheinung unter allen "Damen", war viel begehrt und konnte nicht genug vom Tanzen bekommen. Immer bat sie, nur einen Walzer noch, und Hermann mußte nachgeben.
Er selbst fand nicht ganz seine Rechnung bei diesem Vergnügen. Es wollte ihm nicht recht wohl werden unter den "Hausknechten" und "Häringsbändigern". Und dann plagte ihn die Eifersucht, und er war chokiert, daß Mimi an solchen "Herren" überhaupt Gefallen fand und sie auf gleiche Stufe mit ihm stellte.
Je ausgelassener Mimi wurde, je reizender sah sie aus. Es war ein Feuer in dem Mädchen, das ihn überraschte. Seine Leidenschaft hätte Kuß auf Kuß gewagt, wenn er in diesem Augenblick mit ihr jenen einsamen Feldweg gegangen wäre.
Einen Handkuß hatte er während eines Walzers sich erlaubt, und er war ihm ungestraft durchgelassen worden. Wenn er doch nur eine Stunde mit ihr allein sein konnte. Aber sie war ja nicht aus dem Saal fort zu bringen. Welche Tanzwut!
Endlich hatte er sie zum Gehen überredet. Als er ihr in der Garderobe
behilflich war, kostete es ihm Mühe, sich in Gegenwart der
Garderobenfrau zu beherrschen, so berauschte ihn ihre Nähe und das
Veilchenparfüm, das ihrem schwarzen Jäckchen entströmte.
"Wir nehmen eine Droschke", entschied er.
"Unsinn", protestierte sie. "Die haben Sie nicht unter zehn Mark."