hatte einmal ein Lobredner auf ihn getoastet.
Auch Winchen Studt, im weißen Kleid mit Rosaschärpe, deklamierte "Des Sängers Fluch" von Uhland sehr brav mit Verständnis und Gefühl. Besonders der Schluß verursachte den Empfindsameren unter den Hörern eine leise Gänsehaut. Wie mit Grabesstimme recitierte Winchen: "Versunken und vergessen, das ist des Sängers Fluch," mit bedeutungsvollem, fast schmerzlichem Verweilen auf der ersten Silbe des "Sängers."
Einen solchen Genuß hatte Frau Caroline lange nicht gehabt.
"Wer hätte das dem Mädchen angesehen", meinte sie, "und dann das Ganze, die vielen Zithern. Und was'n Stimme, Herrn Süß seine, die war ja woll was für Pollini."
Als man den Saal verließ, wartete draußen eine neue Ueberraschung der Gesellschaft. Buntfarbige Lampions waren unter den hohen Bäumen angebracht und gewährten einen reizenden Anblick. Auf der Wiese aber hatte sich das als "Ehrengast" anwesende Soloquartett des Gesangvereins "Unentwegt" aufgestellt, und feierlich klang es von dort herüber: "Das ist der Tag des Herrn."
Den Schluß des Festes machte ein Tänzchen, das jedoch mit einer
Polonaise im Freien, durch das "stickendüstere" Gehölz eröffnet wurde.
Jeder bekam eine Stocklaterne, die Herren aus rotem, die Damen aus
weißem Papier.
"Wi sünd Hanseaten," erklärte Tetje.
Wie schön war das alles, wie wunderschön.
Sonne, Mond und Sterne,
Ich geh mit meiner Laterne.
Aber so ein kleines Licht
Leuchtet in die Ferne nicht.
Herr Mehlberg, Winchen Studts Verlobter, hatte seine Braut bei einer
Biegung, wo er sich ungesehen glaubte, geküßt. Aber es war bemerkt
worden, und ein Kichern und Witzeln lief durch die ganze Kette der
Promenierenden.