Mit dieser Frage stürmte sie ihm schon entgegen, wenn er aus der Schule nachhause kam.
»Eine Seite ei schreiben und die Wörter auf Seite 10 buchstabieren.«
»Weiter nichts? Ach wie leicht ist das doch alles? Ich dachte mir die Schule viel schwerer.«
Dieses kindliche, spielende Lernen, das die verständigen Eltern nicht gestört, sondern gern unterstützt und gefördert hatten, hörte nun freilich auf, als Blanche selbst in die Schule kam. Ach, wie groß war da zuerst die Enttäuschung! Ein kleines Mädchen hatte ja ganz andere Bücher als ein Knabe. Und alles war anders. Nun konnten sie nicht mehr zusammen arbeiten; jeder saß für sich und mühte sich, und waren sie fertig, konnten sie es nicht einmal miteinander vergleichen. Blanche konnte wohl ihre Arbeit dem Freund zeigen; aber dann ereignete es sich oft, daß die Lehrerin anders gesagt hatte, als wie Lux es zu verstehen meinte, und daß Blanche irre wurde. Dann mußte Frau Elisabeth alles wieder ins Gleiche bringen.
»Lux ist ein kluger kleiner Kerl, aber gib du nur immer recht acht, was die Lehrerin sagt. Das ist für dich maßgebend. Knaben lernen manches anders als kleine Mädchen.«
Seitdem betrachtete Blanche ihren Freund mit anderen Augen. Er war ja ein Knabe. Und die Jahre vergingen und brachten es mit sich, daß ihre Spiele eine andere Färbung und Gestalt annahmen. Aber sie hielten treue Kameradschaft und hatten sich gern. Lux war der Stille, Besonnene geblieben, Blanche immer aufgeweckter, munterer und kecker geworden. Hübsch war jedes von ihnen, und jedes schlank und blond, und Lux in seinem vierzehnten Jahre nur eben einen halben Kopf größer als die dreizehnjährige Blanche.
3. KAPITEL.
Eines Tages brachte der Vater den kleinen Manuel Negros aus der Stadt mit; er war ganz braun und hatte tief schwarze, glattanliegende, glänzende Haare.
»Wie klein er ist,« dachte Blanche. »Und ich meine, er ist noch ein halbes Jahr älter als Lux.«