Lux aber war nicht nur bei seinem Vater Liebkind an diesem Abend, sondern auch Frau Elisabeth und ihr Gatte waren geflissentlich freundlich und aufmunternd zu ihm, um ihm die Trennung leichter zu machen und ihm gleich zu zeigen, daß sie es gut mit ihm meinten, und er hier wohl geborgen sei. Und auch Blanche, dem Beispiel ihrer Eltern folgend, war freundlicher gegen Lux, als sonst wohl in der letzten Zeit.

Nachher, als Dr. Irmler Lux den Gute Nachtkuß gab und in sein eigenes Heim hinüberging, war Lux wieder dem Weinen nahe; doch er beherrschte sich und stieg still mit Manuel in ihr gemeinsames Stübchen hinauf.

Still kleideten sie sich aus. Jeder war mit seinen Gedanken beschäftigt, und wollte von dem anderen nichts, als unbehelligt gelassen werden.

»Soll ich auslöschen?« fragte Manuel.

»Ja, bitte.«

Es wurde dunkel in der kleinen Kammer und still, nur das feine, hastige Ticken zweier Taschenuhren erfüllte als einziges, leises Geräusch den Raum, und ab und an knarrte eine der Bettstellen.

Manuel konnte nicht einschlafen. Zum ersten Mal hatte er sein Nachtgebet leise hergesagt und den lieben Namen Blanche nicht ausgesprochen. Seine Gedanken waren zerstreut, halb drüben in der Heimat und nur zur Hälfte hier, wo er sich zum ersten Male fremd und verlassen vorkam. Lux schlief schon lange, mit ruhigen, leisen Atemzügen, als Manuel noch wach lag, das Gesicht in die Kissen drückte und leidenschaftlich weinte.

6. KAPITEL.

Dr. Irmler war am anderen Morgen abgereist. Sie hatten ihn alle an die Bahn gebracht, und die beiden Herren waren zusammen abgefahren, der eine nach Italien, der andere ins Kontor.